Gesundheitskarte für Flüchtlinge läuft schleppend an

Bremen hat sie bereits im Sommer eingeführt: Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisengebieten. Bisher musste auch hier jeder einzelne Arztbesuch beim Sozialamt beantragt und genehmigt werden.
Bremen hat sie bereits im Sommer eingeführt: Die Gesundheitskarte für Flüchtlinge aus Syrien und anderen Krisengebieten. Bisher musste auch hier jeder einzelne Arztbesuch beim Sozialamt beantragt und genehmigt werden.
Foto: picture alliance / dpa
Erst sechs Kommunen bieten das neue System an. Bochum und Mülheim sind dabei, Köln, Düsseldorf und Münster bereiten die Einführung vor. Der Vorteil: weniger Bürokratie. Erste Bilanz in sechs Monaten geplant.

Düsseldorf.  Die Gesundheitskarte für Asylbewerber ist in NRW nur schleppend angelaufen: Erst sechs Kommunen versichern seit Jahresbeginn untergebrachte Flüchtlinge bei einer Krankenkasse: Alsdorf, Bonn, Bochum, Gevelsberg, Monheim und Mülheim.

Mit der Gesundheitskarte können kranke Flüchtlinge direkt zu einem Arzt gehen. Bisher müssen sie zunächst einen Behandlungsschein beantragen, der städtische Mitarbeiter entscheidet dann, ob ein Arztbesuch nötig ist.

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) hält die Gesundheitskarte „zweifelsfrei“ für den besten Weg. „Unnötige Wartezeiten können den Krankheitsverlauf verschlechtern und damit am Ende auch die Kosten einer Behandlung erhöhen“, sagte Steffens dieser Zeitung. Zudem bedeute die Gesundheitskarte für Kommunen weniger Bürokratie.

Die meisten Städte aber fürchten, dass die Behandlungskosten zu einem unkalkulierbaren Risiko werden. Steffens will in einem halben Jahr prüfen, ob sich das System bewährt hat. Dieses Ergebnis wollen viele Städte zunächst abwarten.

Die Gesundheitskarte umfasst alle regulären Behandlungen, die auch anderen Kassenpatienten zustehen. Besondere Leistungen wie Zahnersatz und einzelne Vorsorge-Behandlungen sind nicht abgedeckt. Ärzte rechnen die Kosten direkt mit der Kasse ab. Bezahlt werden muss die Behandlung aber später wie bisher von den Kommunen – die Kasse erhebt eine Verwaltungsgebühr.

Trotz der Anlaufprobleme sieht Steffens einen Trend zur Gesundheitskarte: „Mit Köln, Düsseldorf und Münster haben sich inzwischen weitere Großstädte dafür entschieden.“ Auch wollten Hattingen, Herdecke, Oberhausen, Sprockhövel und Wermelskirchen in den nächsten Monaten die Karte einführen.

 
 

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