Gescheiterte Anklage: Die Staatsanwälte haben versagt

Frank Preuß
Die nicht zustande gekommene Loveparade-Anklage ist für viele Betroffene ein Hieb von schwer vorstellbarer Härte.
Die nicht zustande gekommene Loveparade-Anklage ist für viele Betroffene ein Hieb von schwer vorstellbarer Härte.
Foto: WAZ FotoPool
Hier, mitten in Deutschland: Nach der Loveparade soll es keinen Prozess geben. Das offenbart eine geballte Verantwortungslosigkeit im Hintergrund.

Duisburg. Das Vertrauen in den Rechtsstaat sinkt, und wer will es den Menschen nach diesem Dienstag verdenken? Die Katastrophe der Loveparade mit 21 Toten, hunderten Verletzten und einer geballten Verantwortungslosigkeit im Hintergrund langt nicht für einen Prozess, bei dem Beschuldigte Rechenschaft über ihr Tun abzulegen haben? Hier, mitten in Deutschland?

Man muss sparsam mit solchem Vokabular hantieren: Aber ja, das ist ein Justizskandal. Loveparade

Hier geht es ja nicht darum, dass Recht und sogenannter Menschenverstand zuweilen nicht zusammenfinden, weil das Gesetz komplizierter ist als eine Kneipendebatte. Hier geht es um Versagen. Um eine Staatsanwaltschaft, die sich bis auf die Knochen blamiert hat, weil sie sich wie besessen an ein Gutachten klammerte, das vom Gericht in selten dagewesener Klarheit in den Schredder verabschiedet wurde.

Die Ankläger waren über die gravierenden Mängel des Papiers ausreichend und frühzeitig gewarnt. Sie blieben stur auf Kurs.

Opfer werden erneut zu Opfern

Für die Opfer, Menschen, die Söhne und Töchter, Brüder und Schwestern an diesem grauenhaften Julitag verloren und seit fast sechs Jahren auf so etwas ähnliches wie Gerechtigkeit warten, ist das ein Hieb von schwer vorstellbarer Härte.

Nein, ein Prozess zu einem solch komplexen Geschehen hätte auch nach jahrelanger Dauer womöglich nicht zu Urteilen geführt, die irgendwem noch Befriedigung verschafft hätten. Aber es wäre der lang ersehnte Abschluss dieses Lebenskapitels gewesen. So aber werden Opfer noch einmal zu Opfern. Ein unwürdiges Schauspiel.