Generation „65 plus“ – Aktiv in Job, Uni, Internet

Miguel Sanches
Die Senioren von heute sind aktiver denn je.
Die Senioren von heute sind aktiver denn je.
Foto: picture alliance / Design Pics
Neue Zahlen beleuchten das Leben jenseits der Grenze zum Ruhestand. Senioren der Generation "65 plus" fühlen sich fit und mischen politisch mit.

Berlin. Die Generation „65 plus“ bleibt länger im Job und ist aktiver denn je. Der Trend hält seit Jahren an. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Wie hoch ist der Anteil der „65 plus“ an der Bevölkerung?

17 Millionen Bundesbürger sind 65 Jahre oder älter – 21 Prozent der ­Bevölkerung. Bis 2060 dürfte ihr ­Anteil auf 33 Prozent steigen. Ein Drittel lebt allein, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Männer bleiben eher über die gesetzliche Altersgrenze hinaus beschäftigt.

Können die Deutschen nicht von der Arbeit lassen?

52 Prozent der 60- bis 64-Jährigen sind erwerbstätig. Zum einen wird die gesetzliche Altersgrenze schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben – wer da keine Renteneinbußen hinnehmen will, muss länger im Job bleiben. Zum anderen sind 14,9 Prozent der Generation 65 plus armutsgefährdet.

Was heißt das?

Das bedeutet, dass sie mit weniger als 979 Euro im Monat auskommen muss. Das betrifft Frauen stärker als Männer. Die Statistik blendet aber das Vermögen aus, das im Schnitt 55.000 Euro beträgt. Fakt ist jedoch, dass 2013 eine halbe Million Menschen über 65 Grundsicherung bezog – fast doppelt so viele wie 2003.

Also werden die Leute gezwungen sein, länger ­zu arbeiten?

Einige sind finanziell darauf angewiesen. Andere könnten sich einen Ruhestand leisten, wollen aber gern länger arbeiten. Von einem neuen „anderen Selbstverständnis“ ist die Rede.

Was ist damit gemeint?

Nach der Sterbetafel haben Männer mit 65 noch eine Lebenserwartung von 17 Jahren und sechs Monaten, Frauen von 20 Jahren und neun ­Monaten. Das ist eine lange Lebensphase, der Blick darauf verändert sich: Man kann sie als gewonnene Jahre betrachten, nicht zuletzt beruflich. Dazu passt, dass 39 Prozent der erwerbstätigen 65- bis 69-Jährigen selbstständig oder „mithelfende ­Familienangehörige“ sind.

Wie stellt sich die Politik darauf ein?

Sie versucht, den Trend zu steuern: mit der Rente mit 67, diversen Pflegereformen und einer Demografie­strategie. Längst sind die Älteren ein politischer Faktor, eine relevante Größe für jede Partei. Die über 60-Jährigen machten schon bei der letzten Bundestagswahl 34 Prozent der Stimmberechtigten aus. Und sie sind aktiv. Wahlbeteiligung: 75 Prozent. Kanzlerin Angela Merkel (CDU), ­gerade 61 Jahre alt geworden, hat bereits drei Mal den deutschen „Seniorentag“ eröffnet. „Senioren werden gebraucht“, rief sie ihrer Klientel zu.

Wie rege ist die Generation 65 plus?

Sie macht inzwischen 42 Prozent der Gasthörer an den Unis aus, Tendenz: steigend. 14.200 sind 65 Jahre oder ­älter. Die beliebtesten Fächer: Geschichte und Philosophie. Die Senioren belegten 667.000 Kurse an den Volkshochschulen. 57 Prozent nutzen einen Computer und 45 Prozent surfen im Netz, Männer häufiger als Frauen. Sie verbringen wöchentlich 18,5 Stunden vor dem Fernseher und sind Spitzenreiter beim Lesen – nahezu sieben Stunden in der Woche.

Wie gesund sind die Senioren?

Beim Mikrozensus gaben drei Viertel an, dass sie sich fit fühlen. Das ist nur eine Selbsteinschätzung. Fakt ist, dass die Zahl der im Krankenhaus behandelten Menschen in der Altersgruppe steigt. 2013 waren es 8,3 Millionen ­Patienten – vor zehn Jahren 6,7 Millionen. 2,2 Millionen Menschen ab 65 sind pflegebedürftig. Zwei Drittel werden zu Hause versorgt. Selbst bei den über 90-Jährigen ist nur knapp die Hälfte (46 Prozent) im Heim. Besonders gefährdet sind die Älteren im Straßenverkehr.