Gauck lehnt Treffen mit NSU-Opferfamilien ab

Bundespräsident Joachim Gauck hat einem Bericht zufolge ein Treffen mit den Familien der NSU-Opfer abgelehnt.
Bundespräsident Joachim Gauck hat einem Bericht zufolge ein Treffen mit den Familien der NSU-Opfer abgelehnt.
Foto: afp
Die Familien der NSU-Opfer müssen auf ein persönliches Treffen mit Bundespräsidenten Joachim Gauck vorerst verzichten. Eine entsprechende Bitte hatte das Bundespräsidialamt am Freitag abgelehnt. Der Bundespräsident werde die Maßnahmen in der Folge der NSU-Mordserie aber "mit Interesse verfolgen".

Berlin. Bundespräsident Joachim Gauck hat einem Bericht zufolge ein Treffen mit den Familien der NSU-Opfer abgelehnt. Eine entsprechende Bitte der Türkischen Gemeinde in Deutschland für ein persönliches Treffen zum Jahrestag der Aufdeckung der Mordserie des rechtsextremen NSU im November habe das Bundespräsidialamt ausgeschlagen, berichtete das ARD-"Hauptstadtstudio" am Freitag. Die Familien mögen von einem solchen Treffen "absehen", zitierte die ARD aus einem Schreiben des Amts. Der Bundespräsident werde die Maßnahmen in der Folge der NSU-Mordserie aber "mit Interesse verfolgen".

Die Ombudsfrau für die Hinterbliebenen der NSU-Opfer, Barbara John, zeigte sich verwundert über Gaucks Absage. "Ich finde es schade, dass ein solches Treffen nicht zustande kommt", sagte sie der ARD. "Mich sprechen immer wieder Hinterbliebene der Opfer an und berichten mir, wie wichtig Ihnen das Treffen bei Bundespräsident Christian Wulff war." Ex-Bundespräsident Wulff hatte die Opferfamilien im November 2011 zu sich ins Schloss Bellevue geladen und sich für einen offiziellen Festakt für die Opfer der NSU-Mordserie stark gemacht.

Auch die Türkische Gemeinde in Deutschland kritisierte Gaucks Absage. "Ich hätte mir gewünscht, dass der Bundespräsident ein Zeichen gesetzt hätte", zitierte die ARD den Vorsitzenden der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat. Viele Hinterbliebene der Opfer seien enttäuscht über die Aktenvernichtungen der Geheimdienste, die der NSU-Untersuchungsausschuss ans Licht gebracht habe. "Der Gesprächsbedarf wäre also groß gewesen", sagte Kolat. "Es wäre deshalb schön gewesen, wenn der Bundespräsident Interesse gezeigt hätte." (afp)