Gaddafi. Und dann?

Lutz Heuken

Richtig freuen mag man sich ja nicht, dass jetzt für den libyschen Despoten Gaddafi offensichtlich das letzte Stündlein geschlagen hat. So sehr man den Libyern gönnt, sich nach über 40 Jahren Gaddafi-Diktatur endlich die Freiheit zu erkämpfen, so sehr drückt doch die Ungewissheit, was nach der Revolution in der arabischen Welt geschieht.

In Tunesien und Ägypten ist der Umsturz bereits gelungen, in Libyen erscheint der Sieg der Revolutionäre nur eine Frage von Tagen und auch das brutale Assad-Regime in Syrien wird sich wohl nicht mehr lange halten. Wer das vor einem Jahr vorhergesagt hätte, wäre als Fantast verspottet worden.

Doch was passiert nun? Schon wächst in Tunesien und Ägypten wieder die Unzufriedenheit der Massen, die sich vom Umsturz eine rasche Veränderung ihrer bedrückenden Lebensverhältnisse erhofft hatten.

Auch wenn Europa selbst tief in der Euro- und Börsen-Krise steckt: Wir werden uns intensiv um den Krisenherd jenseits des Mittelmeeres kümmern müssen. Es wird große Anstrengungen und viel Geld kosten. Doch Desinteresse können wir uns nicht leisten. Die Araber, sie sind quasi unsere Nachbarn.