Furcht vor IS-Anschlägen in NRW - Behörden warnen vor Panik

Diese offenbar von Islamisten angefertigte Fotomontage zeigt den Flughafen Köln/Bonn als Anschlagsziel. Das Internet ist voller solcher Droh-Bilder und Aufrufe zur Gewalt.
Diese offenbar von Islamisten angefertigte Fotomontage zeigt den Flughafen Köln/Bonn als Anschlagsziel. Das Internet ist voller solcher Droh-Bilder und Aufrufe zur Gewalt.
Foto: HO
Das NRW-Innenministerium warnt vor Panik: Keine konkreten Hinweise auf Attentate. Aber die Gewaltbereitschaft junger Salafisten hat weiter zugenommen.

Düsseldorf.. Die Sicherheitsbehörden in NRW warnen nach Anschlagdrohungen der Terrormiliz IS gegen den Köln-Bonner Flughafen vor Panik. Zwar hat nach Angaben von Verfassungsschutzchef Burkhard Freier die Gewaltbereitschaft junger Salafisten in den letzten Jahren zugenommen. Das Düsseldorfer Innenministerium nimmt die Drohung deshalb nach eigenen Angaben sehr ernst; man verfüge aber nach dem Bombenterror in Brüssel über keine konkreten Hinweise auf Anschläge in NRW.

Die Islamistengruppe IS hatte ihre Anhänger am Vortag zu Anschlägen in Deutschland nach dem Vorbild der Brüsseler Attentate aufgerufen. Auf Propagandagrafiken wird unter anderem der Flughafen Köln-Bonn gezeigt. „Was deine Brüder in Belgien schaffen, schaffst du auch!“, heißt es dort.

Nach Brüssel haben die Behörden die Sicherheitsmaßnahmen weiter verstärkt. Neben offenen und verdeckten Kontrollmaßnahmen werden auch belgische Einrichtungen besonders geschützt. „Besonderes Augenmerk“ wird zudem auf jüdische Einrichtungen und Moscheen gelegt. Der NRW-Verfassungsschutz analysiert, dass sich die Zahl der extremen Salafisten an Rhein und Ruhr auf 2700 erhöht hat. 600 seien gewaltorientiert und davon 150 „besonders risikobehaftet“, erläuterte der Verfassungsschutz. Ein Teil der 150 gefährlichsten Salafisten sitzt allerdings in Haft oder hat sich zumindest vorübergehend in Krisengebiete abgesetzt.

Europa ist Ziel der Propaganda

Zwar tauchen schon seit zehn Jahren gewaltverherrlichende Videos der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Netz auf. „Nachdem sich der IS in Syrien und Irak aber in einer zunehmend schwierigen Lage befindet, soll durch Terrordrohungen in Europa die eigene Schlagkraft unter Beweis gestellt werden“, heißt es in einem aktuellen Lagebild. Das Ziel: Angst unter der Bevölkerung schüren und Unterstützer mobilisieren.

Seit Beginn des Krieges in Syrien und im Irak sind nach Erkenntnissen der NRW-Sicherheitsbehörden mehr als 200 Fanatiker aus Nordrhein-Westfalen ausgereist, um die dortigen Terrororganisationen zu unterstützen. Seit Langem seien die Sicherheitsmaßnahmen in NRW auf einem „hohen Niveau“, hieß es. Die Behörden in Bund und Land stehen im ständigen Austausch von Informationen über Tatverdächtige und mögliche Anschläge. NRW-Verfassungsschutzchef Freier befürchtet auch in Deutschland Gewaltakte. „Es gibt eine zunehmende Zahl von Veranstaltungen von Salafisten, bei denen sie versuchen, junge Menschen zu rekrutieren und zu radikalisieren, das alles nimmt zu“, klagte Freier in einer Dokumentation der Sicherheitsdienste.

NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) beobachtet mit Sorge die „aggressive und hochprofessionelle Propaganda“ des IS, der weltweit bis in die Kinder- und Jugendzimmer agiert. Die Terrormiliz nutzt neueste Medien und teure Technik, um junge Menschen zu einem extremistischen Weltbild zu verführen. „Die bedrückenden Propagandabilder zeigen die grausame Realität: Dschihadisten aus Deutschland begehen Gräueltaten und werden gleichzeitig als Kanonenfutter missbraucht“, warnte Jäger.

IS-Bild zeigt den Petersplatz in Rom

Ähnliche Propaganda-Bilder wie die Fotomontage von einem Anschlag auf den Flughafen Köln-Bonn (Tenor: „Was deine Brüder in Belgien schaffen, schaffst du auch!“) hatte der IS auch über den Petersplatz in Rom verbreitet. Die Drohung: Europa soll zum Schlachtfeld des Heiligen Krieges werden. Die Sicherheitsbehörden sind gewarnt.

 
 

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