Furcht vor Atomunfall: Jodtabletten für die Bürger in NRW

  • Die NRW-Städte sollen nach dem Willen des Innenministeriums Jod­tabletten für ihre Bürger bereithalten
  • Bezogen auf das belgische Atomkraftwerk Tihange liegen zahlreiche Städte in NRW in der sogenannten „Außenzone“ im Umkreis von 100 Kilometern
  • Nach Gesprächen mit den Kommunen lenkte Innenminister Ralf Jäger ein

Essen. Die Städte in Nordrhein-Westfalen sollen nach dem Willen des Innenministeriums Jod­tabletten für ihre Bürger bereithalten. Grund sind reformierte Empfehlungen der Strahlenschutzkommission des Bundes, die Erkenntnisse aus dem Reaktorunfall in Fukushima ausgewertet hat. Die Kommission schlug insbesondere vor, die Planungsgebiete in der Umgebung von Kernkraftwerken zu vergrößern und die Zonen neu festzulegen. Danach muss künftig für das gesamte Land NRW die Versorgung von Kindern, Jugendlichen und Schwangeren mit Jodtabletten gewährleistet sein.

Bezogen auf das belgische Atomkraftwerk Tihange liegen auch zahlreiche Städte in NRW in der sogenannten „Außenzone“ im Umkreis von 100 Kilometern um das umstrittene Kraftwerk nahe Lüttich. Hier sind im Notfall verschärfte Schutzmaßnahmen zu ergreifen, unter ­anderem müssen die Katastrophenschutzbehörden des Landes auf die Verteilung von Jodtabletten für alle Bürger bis 45 Jahren vorbereitet sein.

Die Verteilung nehmen die Katastrophenschutzbehörden vor

Zwar ist der Bund für die Beschaffung der notwendigen Medikamente zuständig, doch um die Versorgung zu beschleunigen, hat NRW nach Angaben des Innenministeriums als erstes Bundesland auf eigene Kosten die Beschaffung der Mittel in die Wege geleitet. „Wir werden die Kommunen nun nach und nach mit Jodtabletten ausstatten“, sagte eine Sprecherin dieser Zeitung. Die Verteilung im Notfall obliegt dann den Katastrophenschutzbehörden vor Ort.

Bislang bestand das Innenministerium auf einer zentralen Lagerung und Verteilung der Tabletten. Doch nachdem Belgien Anfang Mai die Ausgabe von Jodtabletten an die ­gesamte Bevölkerung beschlossen hatte, stieg der Druck auf die Landesregierung. Auch die Städteregion Aachen sowie die Kreise Heinsberg, Düren und Euskirchen drängten auf eine Vorabverteilung der Mittel, damit die Menschen sich im Ernstfall rascher schützen könnten.

Innenminister Ralf Jäger lenkte nach Gesprächen mit den Kommunen ein

Nach Gesprächen mit den Kommunen lenkte Innenminister Ralf Jäger (SPD) ein. „Wir sind offen für alternative Konzepte, wenn sie dieselbe Schutzintensität wie die bestehenden aufweisen“, so Jäger. Damit erlaubt das Ministerium prinzipiell die Vorabverteilung der Tabletten, wenn die Städte Konzepte vorlegen. Unterdessen wollen auch Duisburg, Mönchengladbach und der Kreis Viersen Jodtabletten ausgeben.

 
 

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