Für G8-Schüler soll es ab Sommer Erleichterungen geben

Viel zu tun, lange in der Schule: Fünftklässlerinnen bei der Arbeit.
Viel zu tun, lange in der Schule: Fünftklässlerinnen bei der Arbeit.
Foto: dpa
Weniger Hausaufgaben: In NRW sollen die Gymnasiasten entlastet werden. Der Landtag gab am Donnerstag grünes Licht für die Reform der G8-Reform.

Düsseldorf. Für Schüler, die in NRW ein Abitur nach acht Jahren Gymnasium (G8) machen wollen, soll es Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) zufolge spürbare Entlastungen geben. Nachdem Experten eines Rundes Tisches ihre Empfehlungen in zehn Punkten vorlegten, gehe es nun um eine schnelle und verbindliche Umsetzung von Verbesserungen. "Es ist viel zu tun", sagte die Ministerin am Donnerstag im Düsseldorfer Landtag. Der Runde Tisch habe gute Grundlagen gelegt.

Die Regierungsfraktionen SPD und Grünen stimmten den Handlungsempfehlungen erwartungsgemäß zu und gaben Löhrmann grünes Licht, die nötigen rechtlichen Reformen einzuleiten. Die Opposition aus CDU, FDP und Piraten votierten gegen einen entsprechenden rot-grünen Antrag.

Weniger am Nachmittag, weniger Hausaufgaben

Löhrmann betonte, Schüler müssten mehr Freiraum bekommen für Entspannung, Hobbys oder ehrenamtliches Engagement - etwa über eine Begrenzung des Nachmittagsunterrichts oder der Hausaufgaben. Die Reform werde "ohne Qualitätsverlust" laufen, versprach die Ministerin.

Der Runde Tisch mit 60 Vertretern aus Schulen, Wirtschaft, Politik, Kirche und Wissenschaft hatte sich mit großer Mehrheit für den Erhalt des umstrittenen achtjährigen gymnasialen Bildungsgangs ausgesprochen, aber Verbesserungen verlangt. Auch sollten Lehrpläne neu überprüft und entschlackt werden. Zwei Initiativen kämpfen aber weiter für eine Rückkehr zu G9. Nach ihrer Einschätzung bleiben mit G8 eine fundierte Bildung und die Entwicklung reifer, stabiler Persönlichkeiten auf der Strecke.

Mehrheit der Eltern sei gegen G 8, so die FDP

Für die CDU betonte Bildungsexperte Klaus Kaiser, seine Fraktion werde keinen "Blankoscheck" ausstellen. Viele der Empfehlungen seien nicht neu und hätten längst umgesetzt werden können. Die FDP befürchtet, Löhrmann könnte die Handlungstipps missbrauchen für eine "Leistungsaushöhlung des Gymnasiums". Die Piratenfraktion kritisierte das Festhalten an einem "nicht funktionierenden System". Die Mehrheit der Eltern und Schüler, die laut Umfrage gegen G8 sei, werde nicht beachtet, monierte die bildungspolitische Sprecherin Monika Pieper.

Löhrmann kündigte an, man werde direkt Beteiligte wie Lehrer, Schüler oder Elternschaft, aber auch außerschulische Organisationen mit ins Boot holen, um Leitlinien zu erarbeiten. Ziel sei auch eine "hinreichende Akzeptanz" für G8. Daneben gebe es in NRW noch viele andere Wege zum Abitur in insgesamt 13 Schuljahren - etwa an Gesamtschulen oder Sekundarschulen.

Reform soll bis zum Sommer umgesetzt werden

Die neuen Regelungen sollen möglichst zum nächsten Schuljahr 2015/16 kommen. Zu Umsetzung und Wirkung der Reformschritte wird nach einem Jahr eine erste Bilanz gezogen. (dpa)