Für Christine Lieberknecht geht es „um das politische Überleben“

..  Geboren in den 50ern. Aufgewachsen in der DDR. Pastorentochter. FDJ-Sekretärin. Eine Vorliebe für die Physik. Nach der Wende: Eine Vorliebe für die Politik, für die CDU, für Große Koalitionen, für klare Worte, auch wenn sie sich gegen mächtige Männer richten – und für den eigenen Machtanspruch.

Ist das nur die Beschreibung der Angela Merkel? Nein, auch die von Christine Lieberknecht. Die eine: Kanzlerin. Die andere: Regierungschefin im Freistaat Thüringen.

Doch Lieberknecht ist bei allen vergleichbaren Lebensweg-Details kein Klon der „mächtigsten Frau der Welt“. Sie muss in Erfurt gerade um ihren Job kämpfen. Am 14. September ist Landtagswahl. Gut möglich, dass Lieberknecht die Wahl, bei der ihre Partei in Umfragen zwischen 33 und 36 Prozent liegt, verliert. Gut möglich auch, dass ihr heutiger Koalitionspartner SPD danach mit den Linken paktiert und denen den Posten des Ministerpräsidenten lässt. Es wäre die rot-rote Premiere in Deutschland.

Martin Debes arbeitet bei der „Thüringer Allgemeinen“, dem Flaggschiff der Funke Mediengruppe in Thüringen. Er hat – unautorisiert – die Dame an der Landesspitze beschrieben. Für die Leser, die nicht im Osten der Republik wohnen, vermittelt das Buch den Eindruck vom politischen Leben in einem „neuen Bundesland“. Doch der spannendste Teil der 262 Seiten trägt Überschriften, wie sie auch im Westen möglich sind: Wahltag. Absetzbewegungen. Geheimtreffen. Flucht. Machtwechsel.

Debes beschreibt so die spannungsreichen Tage im Herbst 2009, als Lieberknecht an der Spitze des Freistaats den widerstrebenden Dieter Althaus ablöst, der neun Monate vorher in der Steiermark beim Skilaufen die Sportlehrerin Beata Christandl tot gefahren hat. Die Szenen erinnern – ja, nun wieder an Merkel, die als Generalsekretärin der CDU mit einem Beitrag in der „FAZ“ das politische Kapitel Helmut Kohl beendet hatte. Auch Lieberknecht sagt irgendwann zur Verblüffung der Parteifreunde: „Die Ära Althaus ist zu Ende.“ In Thüringen brachte das Christine Lieberknecht den Beinamen „Schwarze Mamba“ ein.

Seit einer Pensionsaffäre ihres Staatskanzlei-Chefs ist ihre Glaubwürdigkeit beschädigt. Angekündigte Reformen hat sie nicht umgesetzt. Kabinettsumbauten gingen schief. „Für sie“, glaubt Autor Debes, gehe es am 14. September „um das politische Überleben“.

 
 

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