Frontex-Chef warnt: Spanien bald Hauptziel von Flüchtlingen

Open Arms Rettungsschiff erreicht Barcelona

Spanien lässt das Schiff mit 60 Flüchtlingen an Bord anlegen, nachdem es in Italien und Malta abgelehnt worden war.

Spanien lässt das Schiff mit 60 Flüchtlingen an Bord anlegen, nachdem es in Italien und Malta abgelehnt worden war.

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Frontex-Chef Leggeri sieht Spanien als neues Hauptziel der Flüchtlingsroute. Im Juni waren 6.000 Menschen übers Mittelmeer eingereist.

Berlin/Madrid.  Der Chef der europäischen Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, hat vor einer neuen Hauptroute für Migranten nach Europa gewarnt. „Wenn Sie mich fragen, was meine größte Sorge derzeit ist: Dann sage ich Spanien“, sagte der Franzose der „Welt am Sonntag“.

Allein im Juni habe man im westlichen Mittelmeer rund 6.000 irreguläre Grenzübertritte aus Afrika nach Spanien gezählt. „Wenn die Zahlen dort so steigen wie zuletzt, wird sich dieser Weg zum wichtigsten entwickeln“, sagte Leggeri.

Bei etwa der Hälfte dieser Menschen handele es sich um Marokkaner, die anderen stammten aus Westafrika, betonte der 50-Jährige, der Frontex seit 2015 vorsteht.

Bisher verlief die Route über Italien

Bislang war der weitaus größte Teil der Menschen, die über das Mittelmeer kamen, in Italien angelandet. Spanien rangierte hinter Griechenland nur auf dem dritten Platz.

Die neuesten Zahlen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) zeigen nun eine Trendwende: Waren im ersten Halbjahr 2017 noch rund 85.000 Migranten in Italien und nur 6.500 in Spanien angekommen, so waren es im gleichen Zeitraum 2018 in Italien 16.700 und in Spanien bereits 15.600.

Flüchtlingszahlen insgesamt halbiert

Die Gesamtzahl der Flüchtlinge, die über das Mittelmeer nach Europa kamen, lag der IOM-Statistik zufolge aber im ersten Halbjahr nur noch bei knapp 46.500 und hat sich somit mehr als halbiert.

Nach Angaben von Frontex machen Schlepper Migranten im Transitland Niger seit kurzem ein alternatives Angebot zur Weiterreise nach Libyen: die westliche Route über Marokko nach Europa und somit Spanien.

Leggeri plädierte dafür, die Pläne für internationale Unterkünfte in Afrika voranzutreiben, damit niemand mehr davon ausgehen könne, dass er nach seiner Rettung nach Europa gebracht werde. „Wenn es diesen Automatismus nicht mehr gibt, können wir das kriminelle Geschäftsmodell erfolgreich bekämpfen.“

Frontex erhält Verstärkung

Die Europäische Union hatte sich bei ihrem Gipfeltreffen vergangene Woche unter dem Eindruck der deutschen Regierungskrise auf eine Verschärfung ihrer Asylpolitik geeinigt. Frontex soll bis 2020 verstärkt werden, um die EU-Außengrenzen stärker abzuriegeln. Gerettete Bootsflüchtlinge können künftig in zentralen Sammellagern in der EU untergebracht werden. Ähnliche Lager in Nordafrika werden geprüft.

„Ich halte es für besonders wichtig, dass man nun das Ziel von Unterkünften direkt in Nordafrika verfolgt“, so Leggeri. „Wir müssen Menschen in Seenot retten, das wird immer so sein. Aber ich finde es ganz interessant, dass der EU-Rat klargemacht hat, dass die Ausschiffung auch in nicht-europäischen Staaten stattfinden könnte.“

Harter Kurs von Italien

Italiens neue Regierung fährt seit Wochen einen harten Kurs in ihrer Flüchtlingspolitik und hat zuletzt mehreren Rettungsschiffen die Einfahrt in einen Hafen verwehrt. Spanien hatte daraufhin der „Aquarius“ von Ärzte ohne Grenzen und SOS Mediterranee und der „Open Arms“ der spanischen Nichtregierungsorganisation Proactiva Open Arms erlaubt, spanische Häfen anzulaufen. Die „Lifeline“ der deutschen Organisation Mission Lifeline durfte nach langem Ausharren nach Malta. (dpa)

 
 

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