„Friedrich als Chef der Islamkonferenz untragbar“

Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Foto: Timm Schamberger/dapd
Der neue Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU). Foto: Timm Schamberger/dapd
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Kurz vor der Islamkonferenz gerät Bundesinnenminister Friedrich wieder in die Kritik: NRW-Integrationsminister Schneider, sagt Friedrich sei der falsche Mann als Chef der Konferenz. Friedrich hatte gesagt, der Islam gehöre nicht zu Deutschland.

Essen. Bundesinnenminister Friedrich (CSU) hat im Vorfeld der Islamkonferenz erklärt, dass der Islam nicht zu Deutschland gehört. Belastet das den Dialog?

Guntram Schneider: Friedrich hat Öl ins Feuer gegossen. Ich fordere, dass der Minister die Äußerung bis zur Islamkonferenz am Dienstag zurücknimmt und klar macht, dass die vier Millionen Muslime in Deutschland selbstverständlich zu Deutschland gehören

Ist der Minister als Chef der Islamkonferenz überhaupt tragbar?

Schneider: Ich könnte mir vorstellen, dass die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Böhmer besser geeignet wäre. Dass Friedrich der richtige Mann ist, wage ich zu bezweifeln.

Was erwarten Sie von der Islamkonferenz?

Schneider: Muslime und wir müssen einen Schritt aufeinander zu gehen. Das beinhaltet aber auch, dass es in den ursprünglichen Herkunftsländern der Zuwanderer mehr Freiheit für andere Religionen gibt.

Müssen die muslimischen Verbände in Deutschland nicht aktiver gegen radikale Tendenzen in den eigenen Reihen vorgehen?

Schneider: Eine NRW-Studie stellt klar, dass es im Islam nicht mehr radikale Tendenzen gibt als in anderen Religionen. Da wird öffentlich eine Debatte geführt, die einer Prüfung nicht standhält. Es ist aber natürlich richtig, dass auch in islamischen Gottesdiensten mehr für den Zusammenhalt der Religionen getan werden kann.

Wie soll das aussehen?

Schneider: Alle Menschen, die hier leben, haben die Pflicht, sich ans Grundgesetz zu halten. In Freitagsgebeten werden auch gesellschaftliche Fragen diskutiert. Dort sollte das Bewusstsein für die Rechte von Frauen, Kindern und die freie Berufswahl geschärft werden.

Wie bewerten Sie die Lage in NRW?

Schneider: In NRW leben rund 1,4 Millionen Muslime, die sich zum Islam bekennen. NRW hat mit den Islamverbänden eine Vereinbarung für den Islamunterricht an Schulen geschlossen. Die Menschen, die hier ihren Lebensmittelpunkt haben, haben ein Recht darauf, hier ihre Religion auszuüben. Mit seiner Äußerung hat Bundesinnenminister Friedrich die Beziehungen allerdings nicht gerade entspannt.

 
 

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