Französisches Satire-Blatt druckt Mohammed-Karikaturen

Der Herausgeber der "Charlie Hebdo", nur unter dem Namen "Charb" bekannt, verteidigte seine Entscheidung, die Karikatur zu veröffentlichen.
Der Herausgeber der "Charlie Hebdo", nur unter dem Namen "Charb" bekannt, verteidigte seine Entscheidung, die Karikatur zu veröffentlichen.
Foto: AFP
Das Pariser Satire-Magazin Charlie Hebdo ist bekannt für gezielte Provokationen. Nun hat es neue Mohammed-Karikaturen veröffentlicht. „Ausgerechnet jetzt Öl ins Feuer zu kippen, ist alles andere als intelligent“, tadelte Außenminister Laurent Fabius.

Paris.. Das Pariser Satiremagazin „Charlie Hebdo“ ist bekannt für hochwertige Karikaturen, aber auch berühmt-berüchtigt für seine gezielten Provokationen. Jetzt haben die furchtlosen Karikaturisten erneut einen „Sprengsatz“ hochgehen lassen. Die neue Ausgabe ziert eine Serie von pikanten Mohammed-Karikaturen. Ausgerechnet jetzt, da die aufgewühlte islamische Welt anrennt gegen das amerikanische Mohammed-Schmähvideo.

Das skandalträchtige Heft hing am Mittwochmorgen noch nicht lange an den Kiosken der Hauptstadt aus, da läuteten in verschiedenen Ministerien schon die Alarmglocken. Während die „Charlie Hebdo“-Macher ihr Mohammed-Heft als eine „humorvolle Attacke gegen den religiösen Terror“ verteidigen, blieb so manchem Minister das Lachen im Halse stecken. „Ausgerechnet jetzt Öl ins Feuer zu kippen, ist alles andere als intelligent“, tadelte Außenminister Laurent Fabius.

Erhöhter Polizeischutz

Zuerst schloss am Mittwochmorgen das französische Gymnasium in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Auf Anweisung des Außenministeriums werden ferner französische Botschaften und Konsulate sowie Kulturzentren und Schulen in 20 islamischen Ländern am Freitag geschlossen bleiben. Viele muslimische Länder, darunter Pakistan, haben den Freitag zum Feiertag zu Ehren des Propheten erhoben. Französische Sicherheitsexperten befürchten, dass sich der Zorn nach dem traditionellen Freitagsgebet gegen all jene Gebäude richten könnte, auf denen die Trikolore weht.

Erhöhten Polizeischutz benötigen auch jene, die den Stein ins Rollen gebracht haben: die Redakteure und Zeichner von „Charlie Hebdo“. Derweil sie am Vormittag die turnusmäßige Redaktionskonferenz abhielten, zogen vor dem Bürogebäude schwer bewaffnete Polizisten auf. Aus gutem Grund: Bereits im vergangenen November hatte „Charlie Hebdo“ eine Mohammed-Karikatur auf der Titelseite veröffentlicht unter der Schlagzeile „Scharia Hebdo – Chefredakteur Mohammed“. Unbekannte ließen die Redaktionsräume in Flammen aufgehen.

Die Karikatur auf der aktuellen Titelseite zeigt einen gehbehinderten Moslem im Rollstuhl, der von einem Rabbiner geschoben wird. In der Sprechblase heißt es: „Man darf sich nicht lustig machen“. Darüber prangt der Titel „Les Intouchables II“ – eine Anspielung auf den gleichnamigen französischen Kinohit, der in Deutschland unter „Ziemliche beste Freunde“ das Publikum begeisterte. Im Blattinnern wimmelt es von weiteren Provokationen, etwa indem Mohammed als Oscar-Gewinner für den „besten anti-islamischen Film“ auftaucht.

Leidenschaftliche Debatte

Chefredakteur Stéphane Charbonnier, selbst Zeichner der Mohammed-Karikaturen, rechtfertigt sein Vorgehen: „Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt.“

„Charlie Hebdo“ hat in Frankreich eine leidenschaftliche Debatte ausgelöst über den Wert der Pressefreiheit – jenes kostbare Gut, das die französische Revolution von 1789 erkämpft hat. „Ist die Pressefreiheit eine Provokation?“, konterte Charbonnier die mannigfachen Angriffe. Und fügte hinzu: „Ich rufe strenggläubige Muslime ebenso wenig auf, ‚Charlie Hebdo’ zu lesen, wie ich in eine Moschee gehe, um einen Diskurs anzuhören, der meinen Überzeugungen widerspricht.“ Ein Bekenntnis zur Pressefreiheit legte denn auch Premierminister Jean-Marc Ayrault ab. Der Sozialist sagte: „Wir leben in einem Land, wo die Freiheit sich zu äußern, garantiert ist, auch die Freiheit der Karikatur.“

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