Förderschulen vor dem Aus - Opposition kritisiert "Zwangsinklusion"

Verwaiste Schulgebäude werden in NRW bald Alltag sein.
Verwaiste Schulgebäude werden in NRW bald Alltag sein.
Foto: dpa
Der Landesrechnungshof hatte kritisiert, viele der Einrichtungen seien zu klein und unterschritten die Klassenmindestgröße zum Teil um bis zu 50 Prozent. Nun hat Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) die Mindestgröße neu definiert - und damit das Ende vieler Schulen eingeleitet.

Düsseldorf. Jede dritte der 700 Förderschulen in NRW steht vor dem Aus. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) hat eine neue Verordnung für Mindestgrößen der Förderschulen beschlossen und Ausnahmen zum Schuljahr 2015/16 gestrichen. Löhrmann reagierte damit auf einen Bericht des Landesrechnungshofes (LRH), der zu kleine Klassen kritisiert hatte. Bisher konnte die Mindestgröße um bis zu 50 Prozent unterschritten werden – das ist künftig nicht mehr möglich. Der Lehrerverband VBE beklagte die „Zwangsschließungen auf kaltem Wege“. Mittlerweile besucht jeder vierte Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine Regelschule.

Vor allem Förderschule mit Schwerpunkt Lernen betroffen

Die neue Mindestgrößenverordnung trifft vor allem die unter sinkenden Schülerzahlen leidenden 306 Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen. Hier reichen künftig erst 144 Schüler für den Erhalt der Schule, für Schulen mit Sekundarstufe I sind 112 Schüler ausreichend. VBE-Landeschef Udo Beckmann fürchtet, dass nur ein Drittel der Lern-Förderschulen überleben werden. Nach Berechnungen von Ministerin Löhrmann erreichen 129 Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen nicht die Mindestgröße. Löhrmann forderte die Schulträger auf, Standorte zusammenzulegen oder als Teilstandorte zu führen. Künftig soll der Besuch der allgemeinen Schule der Regelfall sein.

Nach Einschätzung der Landesregierung werden die meisten anderen Förderschulen die Mindestgrößen erreichen. Die Förderschule Sprache benötigt 66 Schüler in der Sekundarstufe I, die Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung 88 Schüler an Schulen mit Primar- und Sekundarstufe. Förderschulen mit den Schwerpunkten Sehen, Hören und Kommunikation brauchen jeweils 110 Schüler für die weitere Existenz.

FDP-Schulexpertin Yvonne Gebauer sprach von einer „Zwangsinklusion in allgemeine Schulen“, weil Eltern in ländlichen Regionen nach dem Ende der Förderschule keine Wahlmöglichkeit bleibe. Auch CDU-Schulexperte Klaus Kaiser verlangte ein echtes Wahlrecht für Eltern. Kaiser bezeichnete es als Teilerfolg, dass entgegen dem ersten Entwurf zumindest zahlreiche Förderschulen für Hören, Sehen und Kommunikation gesichert werden konnten.

 
 

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