Flüchtling aus Eritrea in Dresden von Landsmann getötet

Flüchtlinge, Migranten und Deutsche demonstrierten am 17. Januar in Dresden, um auf den gewaltsamen Tod von Khaled Idris Bahray aus Eritrea aufmerksam zu machen.
Flüchtlinge, Migranten und Deutsche demonstrierten am 17. Januar in Dresden, um auf den gewaltsamen Tod von Khaled Idris Bahray aus Eritrea aufmerksam zu machen.
Foto: dpa
Der Fall schlug Wellen: In Dresden wurde ein Asylbewerber erstochen aufgefunden, rasch kochten Gerüchte und Mutmaßungen hoch. Nun gibt es Klärung.

Dresden.. Ein Mitbewohner soll den Flüchtling aus Eritrea in Dresden vor gut einer Woche getötet haben. Gegen den Mann sei Haftbefehl wegen Totschlags erlassen worden, sagte Jan Hille von der Dresdner Staatsanwaltschaft am Donnerstag. Einem Bericht von bild.de zufolge legte der Landsmann des Opfers im Verhör ein Geständnis ab. Laut Hille handelt es sich um einen 26-Jährigen.

Die Leiche des 20 Jahre alten Eritreers war am 13. Januar im Hof eines Plattenbaus im Stadtteil Leubnitz-Neuostra gefunden worden. Dort hatte der Asylbewerber mit sieben anderen Flüchtlingen aus Afrika in einer Wohnung gelebt.

Anzeige wegen wegen möglicher Strafvereitelung

Die Polizei hatte zunächst mitgeteilt, dass an der Leiche keine Hinweise auf Fremdeinwirkung festgestellt worden seien. Nach der Obduktion gaben die Behörden dann bekannt, dass der Mann durch Messerstiche in Hals und Brust getötet worden war. Es gab Kritik an der Polizei, weil sie nicht sofort auch an eine fremdenfeindliche Tat gedacht habe.

Die Fehleinschätzung blieb nicht folgenlos. Grünen-Politiker Volker Beck erstattete Strafanzeige gegen Unbekannt wegen möglicher Strafvereitelung im Amt. Er kritisierte, dass die Spurensicherung erst 30 Stunden nach der Tat eintraf. Die Grünen in Sachsen befürchten deshalb, dass Spuren verloren gingen. Inzwischen wurde das Operative Abwehrzentrum (OAZ) in die Ermittlungen einbezogen. Es ist schwerpunktmäßig für Straftaten mit rechtsextremem Hintergrund zuständig. Im Haus, wo das 20 Jahre alte Opfer mit sieben Landsleuten lebte, waren Hakenkreuze an die Wand geschmiert worden.

Hohes Gewaltpotenzial

"Strafanzeigen aus der Politik helfen keinen Deut bei der Aufklärung, Zurückhaltung und Respekt vor der Ermittlungsarbeit aber schon", sagte der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU). Der Dresdner CDU-Chef und Landtagsabgeordnete Christian Hartmann appellierte an alle politisch Verantwortlichen, nicht weiter zu spekulieren und die Ergebnisse der Ermittlungen abzuwarten. Alles andere beeinträchtige die polizeiliche Arbeit. Pegida-Demos in Dresden mit hohem Gewaltpotenzial

Der Fall erregt auch deshalb die Gemüter, weil die Stimmung in Dresden derzeit durch die wöchentlichen Demonstrationen der hier entstandenen islamkritischen Pegida-Bewegung aufgeheizt ist. Dresdens Polizeichef Dieter Kroll hatte dem Innenausschuss des sächsischen Landtages eine Einschätzung zur Lage geliefert. Anschließend wandte sich Grünen-Parlamentarier Valentin Lippmann an die Medien und berichtete davon, dass Kroll von 500 bis 700 Menschen bei den Pegida-Demos mit Gewaltpotenzial berichtet hatte und den polizeilichen Notstand befürchtete.

Mehr Teilnehmer, mehr Risiken

Nach Darstellung der Polizeidirektion Dresden gab Lippmann die Äußerungen Krolls stark verkürzt wieder. "Richtig ist, dass die Versammlungslagen in Dresden zunehmend mit Sicherheitsrisiken behaftet sind. Dies resultiert in erster Linie aus der insgesamt großen Anzahl der Teilnehmer. Aggressivität und Gewaltpotenzial haben sich sowohl bei Pegida-Teilnehmern als auch in Teilen des Gegenprotestes entwickelt", erklärte Polizeisprecher Thomas Geithner. Die Polizei stoße auch an personelle Grenzen. (dpa)

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