FDP hat bei Treffen mit Frauenverbänden keinen guten Stand

Julia Emmrich
Bei der Aktion "Spitzenfrauen fragen Spitzenpolitiker" hatte es die FDP als Quotengegner nicht leicht.
Bei der Aktion "Spitzenfrauen fragen Spitzenpolitiker" hatte es die FDP als Quotengegner nicht leicht.
Foto: dpa
Spitzenfrauen fragen Spitzenpolitiker: Zum ersten Mal stellten sich jetzt in Berlin Politiker aller Fraktionen den Fragen von zehn Frauenverbänden. Die meiste Zeit herrschte "Friede, Freude, Frauenquote". Nur FDP-Vertreter Hubert Kolb sorgte als ausgewiesener Quotengegner für echten Streit.

Berlin. Er ist der Exot in der Runde. Männlich, FDP-Politiker, Quotengegner. Und dann springt er auch noch mit Schmackes ins Fettnäpfchen. „Goldröcke“, nennt Fraktionsvize Heinrich Kolb die paar Dutzend Frauen, die sich in Ländern mit Frauenquote die Aufsichtsräte untereinander aufteilen.

Goldröcke? Seine Gastgeberinnen sind stinksauer. „Was meinen Sie, wie oft ich Herrn Cromme schon in Aufsichtsräten getroffen habe?“, fragt Ramona Pisal, Präsidentin des Deutschen Juristinnenbundes. Goldröcke, Goldschlipse – wo ist da der Unterschied?

Steinbrück, der Quotenfrauen-Versteher

Die FDP ist der Buhmann in der Quotendebatte. Auch an diesem Freitagmorgen: Zehn Frauenverbände, von den Landfrauen bis zu den Ingenieurinnen, nehmen zum ersten Mal gemeinsam fünf Spitzenkandidaten in die Zange, doch echten Streit gibt es nur mit dem Liberalen, der als Ersatzmann gekommen ist, weil Rainer Brüderle Wichtigeres zu tun hatte. Der Rest ist Friede, Freude, Frauenquote.

„Ich bin gerne eine Quotenfrau“, bekennt Grünen-Spitzenfrau Katrin Göring-Eckardt. „Das ist doch nichts Negatives!“ Wenn schon keine Quotenfrau, dann zumindest ein Quotenfreund will auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück neuerdings sein. „Ich war der erste, der eine Frau zur Staatssekretärin in einem Wirtschaftsministerium gemacht hat.“ Aber, dass muss er jetzt mal loswerden: Nicht jede Frau, die er befördern wollte, wollte auch befördert werden. Wegen der „Kollision“ mit der Familie, glaubt er.

FDP glaubt an Einsicht der Unternehmen

Uneins sind die Quotenfreunde von Links bis Rechts, mit welchen Strafen sie den Unternehmen drohen sollen, falls sie Quotengesetze nicht einhalten. CDU-Frau Ursula von der Leyen, die für Angela Merkel gekommen ist, will die Aufsichtsratgehälter schlicht einbehalten, wenn nicht ausreichend Frauen im Gremium sitzen. Linken-Kandidatin Sahra Wagenknecht will, dass Aufsichtsräte ohne genügend Frauen nicht beschlussfähig sind.

Und was ist mit Strafzahlungen? „Das geht nicht.“ Selbst eine Millionensumme würden Dax-Unternehmen noch aus der Portokasse zahlen, so Wagenknecht. „Sanktionen müssen weh tun.“

Die FDP hat solche Probleme nicht. „Wir glauben an die Einsicht der Unternehmen.“ Heinrich Kolb nennt das „evolutorisch“. So etwas kann bekanntlich dauern.