FDP fühlt sich als Mobbingopfer - Wege aus der Krise fehlen den Liberalen

Wilfried Dolderer
Rösler und Westerwelle beim FDP-Parteitg in Frankfurt. Foto: Getty
Rösler und Westerwelle beim FDP-Parteitg in Frankfurt. Foto: Getty
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Schimpfen, Jammern, lamentieren: Rösler und Co. ernten in Frankfurt nur mäßigen Applaus. Westerwelle allerdings begeistert die Delegierten – wie in alten Zeiten.

Frankfurt. Es ist an diesem Nachmittag der Reigen der Zornigen, der Verzweifelten, der trotzigen Mutprediger. Eines Florian Rentsch, der seiner Wut Luft macht über die „dissoziale Persönlichkeitsstörung“ der Kanzlerin. Eines Christoph Dammermann, der die „Währungskrise“ der eigenen Partei beklagt: „Wir sind auf unserem Glaubwürdigkeitskonto im Minus.“

Es ist der Auftritt eines Martin Zeil, der einen Appell in den Saal schleudert: „Das Thema Selbstzweifel muss heute beendet sein.“ Eines Philipp Rösler: „Ich will Ihnen das ganz offen sagen, die letzten sechs Monate waren nicht nur schwer, sondern oft ganz schön hart.“ Nicht zuletzt eines Hermann Otto Solms: Die FDP müsse „zeigen, dass wir nicht Anhängsel in einer Koalition sind“.

Kein Anhängsel, was aber dann? Zur Zeit vor allem Mobbingopfer. Das ist unterm Strich die Botschaft in der Frankfurter Messehalle.

Nur mäßiger Applaus für Röslers Rede

Röslers Rede dauert eine gute Dreiviertelstunde. Eine mäßig beklatschte Mischung aus Jammergesang und Durchhalteappell. „Wir kämpfen jetzt für unsere liberale Heimat, für unser Zuhause, für unsere Geisteshaltung“, beschwört Rösler die Delegierten: „Schluss mit der Trauer, Schluss mit den Tränen, es ist Zeit, die Taschentücher wegzustecken.“

Ist dies also, wie der bayerische Landeschef Zeil hofft, der „Parteitag der liberalen Selbstvergewisserung“? Wohl eher die Stunde der anhaltenden Identitätssuche. Im Grunde darum geht es im Streit um die Eurorettung, der die Partei in diesen Wochen bis zum Mitgliederentscheid im Griff hält und auch den Nachmittag in der Frankfurter Messehalle vollends überschattet.

Da haben auf der einen Seite die liberal Rechtgläubigen ihren Auftritt. Der Ostwestfale Frank Schäffler, der seiner Partei diesen Streit eingebrockt hat: Die Ursache für die aktuelle Lage der FDP sei, „dass sie Reden und Handeln nicht in Einklang gebracht hat.“ Zurück also zu den „Überzeugungen“, zu „Rechtsstaatlichkeit und marktwirtschaftlicher Orientierung“.

Auf der anderen Seite jene, die warnen. Dass in der Debatte der europafreundliche Identitätskern verloren gehe, die Partei Gefahr laufe, sich von Euroskeptikern kapern zu lassen. Es ist der einzige Punkt, an dem Röslers Rede zu einiger Leidenschaftlichkeit anschwillt: „Ich werde“, schmettert er, „mit allem, was ich habe, mit allem, was ich bin, verhindern, dass die Grundachse unserer Partei verschoben wird.“

Und dann der Auftritt, von Guido Westerwelle. Er wirft sich für die Eurorettung in die Bresche und redet in fünf Minuten den Saal ins Delirium: „Europa hat einen Preis, ja, aber es hat auch einen Wert.“ Jubeln, Klatschen, Kreischen, am Ende springen etliche spontan von ihren Sitzen. Wie in alten Zeiten.