Falsche Konfession - 120 kirchliche Schulen finden keinen Leiter

An der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Lünen wird seit Herbst 2012 ein Schulleiter gesucht. Laut Gesetz muss der „Neue“ katholisch sein.
An der Kardinal-von-Galen-Grundschule in Lünen wird seit Herbst 2012 ein Schulleiter gesucht. Laut Gesetz muss der „Neue“ katholisch sein.
Foto: WR
Seit eineinhalb Jahren hat die Kardinal-von-Galen-Grundschule in Lünen keinen Schulleiter. Der einzige Kandidat darf sich nicht bewerben – er ist evangelisch. Kein Einzelfall in Nordrhein-Westfalen. Landesweit sind 120 Rektoren-Stellen unbesetzt.

Lünen. Der Pädagoge Thomas Grote möchte freiwillig etwas tun, was viele andere Lehrer abschreckt: Er möchte Leiter einer Grundschule sein. Aber er darf nicht. Denn Grote ist evangelisch, und die Grundschule, die er seit eineinhalb Jahren schon kommissarisch führt, ist eine katholische Bekenntnisschule. Viermal wurde die Leiter-Stelle für die Kardinal-von-Galen-Schule in Lünen schon ausgeschrieben – vergebens. Ein katholischer Bewerber ist nicht in Sicht, der Protestant kommt nicht zum Zug.

„Nicht zu verstehen“ sei das für viele Eltern, findet die Schulpflegschafts-Vorsitzende Nina Rodegro. Thomas Grote erzählt, dass er an der Galen-Schule sogar eine Art Doppelrolle spielt. „Die Schulleitung ist insgesamt nicht komplett. Es fehlt auch der Konrektor“, sagte Grote dieser Zeitung. Und dass es solche Probleme nicht nur in Lünen, sondern in vielen der insgesamt 949 Bekenntnis-Schulen in NRW gebe.

120 Stellen sind unbesetzt

Zahlen aus dem Düsseldorfer Schulministerium stützen diese Feststellung. Landesweit sind 120 Leiter-Stellen an kirchlichen Bekenntnisschulen unbesetzt (Stand: 16. Januar 2014). 111 an katholischen und neun an evangelischen Grundschulen. Es ist sowieso schon unerhört schwer, Lehrer für den Rektoren-Job zu motivieren. Wenn dann auch noch das Ausschluss-Kriterium „falsche Konfession“ dazukommt, geht oft gar nichts mehr. Immer mehr Bürger fühlen sich gar keiner Glaubensgemeinschaft zugehörig, viele treten aus den Kirchen aus. Die Zahl möglicher Bewerber für eine solche Rektorenstelle wird also immer übersichtlicher.

Bekenntnisschulen sind eine nordrhein-westfälische Besonderheit, nur in Niedersachsen gibt es auch noch einige wenige. NRW zählt 876 katholische und 73 evangelische Grundschulen.

Diese „Erfindung“ geht auf einen Vertrag des Deutschen Reiches mit dem Heiligen Stuhl aus dem Jahr 1933 zurück (Reichskonkordat). Heute erlaubt das Landes-Schulgesetz die Existenz von Bekenntnisschulen. Wer aber glaubt, diese Grundschulen würden in erster Linie oder auch nur anteilig von den Kirchen unterhalten, der liegt falsch. Bekenntnis-Grundschulen sind staatlich finanziert. Aber: „Schulleiterinnen und Schulleiter an Bekenntnisschulen müssen laut Schulgesetz dem betreffenden Bekenntnis angehören“, stellt ein Sprecher des NRW-Schulministeriums fest.

Viele Schüler nicht katholisch

Die Galen-Grundschule in Lünen ist also eine öffentliche Einrichtung, und mehr als die Hälfte der Schüler dort ist gar nicht katholisch. Dennoch heißt es: Der Rektor muss katholisch sein. Thomas Grote war vom Schulamt des Kreises Unna vor eineinhalb Jahren als kommissarischer Leiter zu Galen-Grundschule geschickt worden. Seine Vorgängerin, Edeltraud Hil, ging damals in den Ruhestand.

Die Bezirksregierung Arnsberg bestätigte übrigens, dass im Moment auch in einer zweiten Lüner-Bekenntnis-Grundschule die Schulleiter-Stelle vakant sei. „Aber dort soll es einen Bewerber geben“, heißt es. Immerhin.

 
 

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