Nach Terror von Barcelona zwei Deutsche noch in Lebensgefahr

Bei diesen fünf Attacken haben islamistische Terroristen Fahrzeuge als Waffe benutzt

Terror mit Auto

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Ein Wagen rast in Barcelona in eine Menschenmenge, 13 Menschen sterben. Unter den vielen Verletzten ringen zwei Deutsche mit dem Tod.

Barcelona.  Der Anschlag von Barcelona mit 13 Toten hat Sicherheitskreisen zufolge nur einer von mehreren Anschlägen einer acht- bis zwölfköpfigen Terrorzelle sein sollen. Bei einem weiteren Anschlag starb eine Person – und die Verdächtigen hätten Angriffe mit Gasflaschen geplant, hieß es am Freitag in Justizkreisen. Die Polizei hat bisher insgesamt vier Verdächtige festgenommen. Fünf sind tot.

In einem Urlaubsort seien drei Marokkaner und ein Anwohner aus der Nordafrika-Exklave Melilla verhaftet worden, hieß es. Darunter war aber nicht der Hauptverdächtige, der am Donnerstag mit einem Lieferwagen in der Innenstadt von Barcelona mindestens 13 Menschen tötete. Doch der stellt offenbar auch keine Gefahr mehr dar.

Ein einzelner Polizist erschoss vier Angreifer

Er sei in der Nacht zum Freitag zusammen mit anderen mutmaßlichen Terroristen in der Küstenstadt Cambrils erschossen worden, zitierte die Zeitung „El País“ Polizeikreise. Polizeichef Josep Lluís Trapero hatte bereits zuvor bereits angedeutet, dass der Fahrer des Tatfahrzeugs von Barcelona unter den Toten in Cambrils sein könnte.

In der Nacht zu Freitag waren in dem Küstenort Cambrils fünf Terroristen getötet worden, die laut Medienberichten einen Anschlag verüben wollten. Dabei hat ein einzelner Polizist vier der fünf Angreifer erschossen. Das bestätigte die katalanische Polizei am Freitag. Die mit Äxten und Messern bewaffneten Männer seien auf ihn zugelaufen, nachdem sich ihr Auto während der Verfolgungsfahrt mit der Polizei überschlagen hatte, schrieb die spanische Zeitung „La Vanguardia“. Daraufhin eröffnete der Polizist das Feuer.

Cambrils liegt rund 100 Kilometer südlich von Barcelona bei Tarragona. Ein Amateurvideo zeigt den Moment, in dem die Schüsse fallen.

Deutsche schweben in Lebensgefahr

Bei dem Anschlag in Barcelona mit 13 Toten wurden nach Angaben der Bundesregierung 13 Deutsche verletzt. Einen Tag später schwebten davon noch zwei in Lebensgefahr. Das teilte der Arzt eines Krankenhauses in Barcelona Bundesaußenminister Sigmar Gabriel am Freitagabend bei dessen Besuch mit.

Eine Frau mittleren Alters erlitt den Angaben zufolge schwere Kopfverletzungen. Ihr Zustand wird als äußerst kritisch eingeschätzt. Zudem liegt eine lebensgefährlich verletzte Jugendliche auf der Intensivstation. Fünf der Opfer seien noch nicht identifiziert, sagte ein Vertreter der katalanischen Regionalregierung. Damit sei auch noch nicht auszuschließen, dass Deutsche unter den Toten seien, fügte er hinzu. „Es ist möglich“, aber bisher habe man noch keine Erkenntnisse darüber.

Drei Mädchen aus dem Ruhrgebiet schwer verletzt

Wie NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf mitteilte, wurden in Barcelona auch drei Jugendliche aus Nordrhein-Westfalen schwer verletzt. Es handle sich um drei Mädchen aus dem Raum Oberhausen. Die beiden 17-Jährigen und eine 14-Jährige seien mit einer evangelischen Kirchengemeinde aus Schmachtendorf auf einem Tagesausflug in Barcelona gewesen.

Insgesamt wurden bei dem Anschlag laut Angaben spanischer Behörden vom Freitagmittag 130 Menschen verletzt. 17 von ihnen schweben demnach in Lebensgefahr, 30 weitere seien sehr schwer verletzt, hieß es.

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sind noch keine Verbindungen der Täter nach Deutschland erkennbar. Die Informationen der spanischen Behörden seien aber nur ein Zwischenstand, sagt ein Sprecher des Ministeriums.

Polizei fahndet nach neuem Hauptverdächtigen

Als Hauptverdächtiger gilt der 17-jährige Moussa Oukabir, der jüngere Bruder des bereits am Donnerstag inhaftierten Driss Oukabir, berichtete die Zeitung „El Mundo“ unter Berufung auf die Sicherheitskräfte.

Der Minderjährige Moussa hat dem Bericht zufolge seinem Bruder seinen Pass gestohlen und unter dessen Namen den Transporter angemietet. Dies habe auch Driss Oukabir gegenüber der Polizei bestätigt.

Nach Angaben der Behörden besteht wahrscheinlich ein Zusammenhang zwischen den Taten in Barcelona und Cambrils sowie in der Stadt Alcanar, wo am Mittwoch bei einer Explosion in einem Wohnhaus ein Mensch getötet wurde.

Mögliches Anschlagsziel sehr belebt

Gegen 1.30 Uhr seien Einheiten zu der Operation rund 100 Kilometer südlich von Barcelona bei Tarragona ausgerückt. Man gehe von einem Terroranschlag aus, so die Polizei. Anwohner wurden aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Auf Videos waren Schüsse und Schreie zu hören.

Die Täter wollten nach Medienberichten möglicherweise einen ähnlichen Anschlag wie in Barcelona verüben. Sie seien von der Polizei in einem Wagen aufgehalten worden. Als dieser nach einer Verfolgung umgekippt sei, seien sie geflohen und dann niedergeschossen worden. Die Täter waren zuvor auch dort gezielt auf Menschen losgefahren, verletzten einige. Eine Person starb später – das 14. Opfer des Terrors in Spanien.

IS reklamiert Attentat für sich

Die IS-Terrormiliz reklamierte laut ihrem Sprachrohr Amak den Terroranschlag für sich. „Soldaten des Islamischen Staates“ hätten die Tat ausgeführt, meldete Amak am Donnerstag über ihre üblichen Kanäle.

Die Polizei bestätigte, dass es sich um einen Terroranschlag gehandelt habe. Demnach war ein Lieferwagen im Zentrum der Stadt in eine Menschenmenge gerast. Ziel der Attacke sei es gewesen, so viele Menschen wie möglich zu töten.

Öffentliche Verkehrsmittel in Barcelona standen still

Die Polizei war mit einem großen Aufgebot am Ort. Sie forderte die Bevölkerung auf, die Region zu meiden. Zahlreiche Krankenwagen waren im Einsatz. Viele Menschen liefen in Panik über die Straßen. Naheliegende U-Bahn-Stationen und andere öffentliche Verkehrsmittel seien geschlossen worden, hieß es.

Fotos von Anwohnern im Internet zeigten Leichen am Straßenrand. Augenzeugen berichteten, der Lieferwagen sei mit hohem Tempo näher gekommen, die Menschen hätten geschrien und sich in Hauseingängen und Geschäften in Sicherheit gebracht. Die betroffene Gegend um die Flaniermeile Las Ramblas wurde weiträumig abgesperrt.

Augenzeugen sprachen im staatlichen spanischen Fernsehen von einem Einzeltäter, der Anfang 20 gewesen sein soll. Der weiße Lieferwagen sei ungebremst mit etwa 80 Stundenkilometern in die Menge gerast. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass die Zahl der Todesopfer noch steige, sagte der katalanische Innenminister Joaquim Forn. Behörden sprachen von 15 Schwerverletzten. Sie riefen zu Blutspenden auf.

Geschäfte auf den Ramblas schlossen

Der Verkehr im Zentrum der Stadt brach zusammen. Die Geschäfte auf den Ramblas schlossen und ließen ihre Fensterläden herunter. Einsatzkräfte durchforsteten den Bereich, ob sich nicht Terroristen dort versteckt hielten. Am Freitag waren die Straßen wieder belebt.

Der bisher blutigste Terroranschlag in Spanien ereignete sich am 11. März 2004. Damals hatten islamistische Attentäter in Madrid Bomben in Pendlerzügen gezündet und 191 Menschen getötet. Rund 1500 weitere wurden verletzt.

Seit vergangenem Sommer war es in Europa wiederholt zu Anschlägen mit Fahrzeugen gekommen. Im Juli 2016 raste ein Attentäter mit einem Lkw auf dem Strandboulevard von Nizza in eine Menschenmenge. 86 Menschen starben. Beim Anschlag mit einem gekaperten Laster auf den Berliner Weihnachtsmarkt wurden im Dezember zwölf Menschen getötet. Im Frühjahr 2017 gab es zudem tödliche Attacken mit Fahrzeugen in London und Stockholm. (dpa/hip/rtr)

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