Halbnackte Models machen Werbung für Fahrradhelme: Diese Aktion bringt den Verkehrsminister in Bedrängnis – „Eine Schande“

Bild der neuen Fahrradhelm-Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur
Bild der neuen Fahrradhelm-Kampagne des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur
Foto: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur

Berlin. Die neue Statistik der Bundesanstalt für Straßenwesen zeigt Erschreckendes: Nur acht Prozent aller Fahrradfahrer im Alter zwischen 17 und 30 Jahren tragen einen Fahrradhelm. Gegen diese Zahlen beschloss jetzt das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit einer schrägen Kampagne vorzugehen.

Die Aktion „Looks like shit. But saves my life“ („Sieht scheiße aus. Aber rettet mein Leben“) soll vor allem jüngere Leute dazu animieren, einen Fahrradhelm zu tragen. Auf den Bildern der Kampagne sieht man halbnackte sowohl männliche als auch weibliche Models, die einen Fahrradhelm tragen.

Fahrradhelm-Kampagne des Bundesministeriums: GNTM-Model macht mit

„Germany's next Topmodel“-Kandidatin Alicija (18) ist eins der Gesichter der neuen Aktion. Ebenfalls wurde der Starfotograf Rankin zur Kampagne hinzugezogen. Dieser stattete den Mädels in der letzten Folge GNTM einen Besuch ab.

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Die Mädchen wussten nicht, dass es sich beim Fotoshooting auch um ein verstecktes Casting für die Fahrradhelm-Kampagne handelt.

Kampagne löst Sexismus-Debatte aus

Doch die neue Kampagne kommt nicht gut an: Ihr wird Sexismus vorgeworfen. Die Darstellung nackter Körper habe nichts mit dem Ziel zu tun, mehr Menschen zum Tragen von Fahrradhelmen zu motivieren, so der Vorwurf.

Der Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer steht voll und ganz hinter der Kampagne: „Mehr als die Hälfte der jungen Radfahrerinnen und Radfahrer sagen von sich selbst, dass sie nie oder nur selten einen Helm tragen. Und warum nicht? Weil es angeblich nicht cool aussieht. Mit unserer neuen Aktion ‚Looks like shit. But saves my life.‘ richten wir uns daher gezielt an junge Menschen, um sie dazu zu motivieren, zum eigenen Schutz einen Helm aufzusetzen“.

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Politiker nehmen die Fahrradhelm-Kampagne ins Visier

Die Kampagne wird von diversen Politikern und von der Bevölkerung scharf kritisiert. Stefan Gelbhaar, Sprecher für städtische Mobilität und Radverkehr von „Bündnis 90/Die Grünen“ äußert sich in einer ganzen Reihe von Tweets dazu:

„Mit dieser sexistischen Kampagne wird kein einziger Helm verkauft werden. Nackte Menschen mit einem Helm auf dem Kopf im Bett. Einfach nur neben der Sache. Und unglaublich dümmlich“.

Franziska Giffey: „Mit Helm geht auch angezogen“

Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, kommentiert die neue Kampagne von BMVI trocken mit einem Bild von sich selbst, wie sie auf einem Fahrrad sitzt und einen Fahrradhelm trägt. Dazu die Überschrift: „Lieber Andreas Scheuer: Mit Helm geht auch angezogen“.

BMVI überzeugt von dem Erfolg der Fahrradhelm-Kampagne

Auch sämtliche Internet-Nutzer meldeten sich zu Wort, als BMVI über ihre neue Kampagne auf Facebook postete. Keine 24 Stunden später nahm BMVI Stellung zu den Kritiken:

„Auch wenn wir die Einwände von verschiedenen Seiten nachvollziehen können, stehen wir hinter den entstandenen Motiven. Sie erzeugen Aufmerksamkeit für unsere Aktion und können somit Leben retten“.

Nutzer empört über die sexistische Ministeriums-Aktion

Die Nutzer sehen diese Mitteilung eher als eine schwache Ausrede für die sexistische Aktion des Ministeriums.

  • Diane C.: „Es gibt keinen Grund, in Unterwäsche für das Tragen von Fahrradhelmen zu werben. Schon gar nicht im Verhältnis vier halbnackte Frauen zu zwei halbnackten Männern. Auch die Veredelung eines TV-Formats wie GNTM steht einem Ministerium nicht gut an, ebenso wenig wie des Privatsenders ProSieben. Peinliche Aktion für ein Bundesministerium“.
  • Flavor F.: „Wenn ihre Motivation das Retten von Leben ist, sollen Sie GNTM nicht unterstützen. Und auf sexistische Werbung verzichten. Derartige Werbung und Shows führen zu einem gestörten Selbstbild bei jungen Menschen. Und damit nachweislich unter anderem zu Anorexien, Todesrate von 10 Prozent. Schicken Sie mal jemanden in eine Kinder- und Jugendpsychiatrie und lassen Sie sich berichten. Und dann viel Spaß beim einschlafen“.
  • Alex P.: „Zusammenfassend habt ihr euch also dafür entschieden, Sexismus zu nutzen, um für Aufmerksamkeit zu sorgen. Probiert es doch beim nächsten Mal gleich mit Rassismus oder Antisemitismus. Eine Schande, dass eine öffentliche Institution auf solche Hebel zugreift, statt smarte Kommunikation zu betreiben. Schade, dass ein Ministerium glaubt, dass man die heutige Jugend nur so erreichen kann“.
 
 

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