Experte: Jährlich bleiben 1200 Tötungen unerkannt

Essen.  Gibt es in Deutschland viel mehr Morde und Tötungsdelikte als bekannt? Der zurzeit von einer Sonderkommission untersuchte Massenmord-Verdacht in norddeutschen Kliniken, bei dem es möglicherweise um mehr als 200 Tötungen älterer Menschen durch einen Pfleger geht, schreckt Justiz, Polizei und Patientenschützer auf.

„Jedes Jahr bleiben in Deutschland mindestens 1200 Tötungsdelikte unentdeckt“, warnt der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Egon Brysch. Er fordert routinemäßig amtsärztliche Leichenschauen bei toten Kindern und alten Menschen. Brysch: „Ärzte, die einen Totenschein ausstellen, haben weder die Zeit für eine ordnungsgemäße Leichenschau, noch verfügen sie häufig über das erforderliche Fachwissen, um Fälle von Mord und Totschlag zu entdecken.“ Auch die Länder-Justizminister dringen auf eine intensivere Leichenschau bei Älteren und Kindern.

In ihrem Beschluss vom 6. November kritisieren sie, die 2009 erhobenen Forderungen nach Qualitätsverbesserung der Leichenschau „nicht ausreichend umgesetzt“ seien. Damals hieß es: Mit Blick auf Sterbefälle in Kliniken, Heimen und Hospizen sei man „der Ansicht, dass die Leichenschau stets durch einen externen Leichenschauarzt durchgeführt werden sollte“.