Ex-Kanzlerkandidat Steinbrück lässt kein gutes Haar an SPD

Peer Steinbrück, Ex-SPD-Kanzlerkandidat, Ex-Finanzminister und Ex-Ministerpräsident in NRW, hat sich die eigenen Partei vorgeknöpft.
Peer Steinbrück, Ex-SPD-Kanzlerkandidat, Ex-Finanzminister und Ex-Ministerpräsident in NRW, hat sich die eigenen Partei vorgeknöpft.
Foto: M. Popow / imago/Metodi Popow
2013 trat Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat an. Nun liest er seiner Partei die Leviten: Sie sei nicht auf der Höhe der Zeit.

Berlin.  Der frühere SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück teilt gegen seine Partei aus. Er sieht die SPD in einem verheerenden Zustand und wirft den Sozialdemokraten vor, sich von den Alltagssorgen in der Bevölkerung entkoppelt zu haben. „Die Partei hat zum dritten Mal hintereinander die Bundestagswahl krachend verloren. Sie ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit“, sagte Steinbrück dem „Spiegel“.

Vor allem beim Thema Integration lasse sich die SPD „von einer ehrenwerten Gesinnung den Blick auf Realitäten trüben“, kritisiert der ehemalige Bundesfinanzminister. Die SPD müsse sich fragen, „ob das Pendel in den vergangenen Jahren nicht zu weit in Richtung einer Vielfaltseuphorie und eines gehypten Multikulturalismus ausgeschlagen ist“, so Steinbrück.

Steinbrück fordert strategische Umkehr

Und weiter: „Wie die Sozialisten in Frankreich ist auch die SPD in Gefahr, sich mehr um Antidiskriminierungspolitik und Lifestylethemen zu kümmern und darüber die Befindlichkeiten der Mehrheitsgesellschaft außer Acht zu lassen.“

Nahles: Habe keinen Plan B

Sie sei optimistisch, dass die SPD-Mitglieder mehrheitlich für die Annahme des Koalitionsvertrags mit der Union stimmen, sagte SPD-Fraktionschefin Andrea Nahles.
Nahles: Habe keinen Plan B

Steinbrück ruft gegenüber dem Magazin die SPD zu einer strategischen Umkehr auf und mahnt die Sozialdemokraten, die „Verdrängung Einheimischer und die Homogenisierung von Stadtquartieren“ sowie den Verfall von Alltagskultur stärker zu thematisieren.

Steinbrück mahnt Leitkultur-Debatte an

Auch einer Debatte über die deutsche Leitkultur dürfe sich seine Partei nicht länger verweigern. Eine spezifisch deutsche Kultur abzustreiten sei „fatal“, so Steinbrück, „weil es dem unsäglichen Vorurteil Vorschub leistet, die SPD habe ein gestörtes Verhältnis zum nationalen Erbe“.

Der Kanzlerkandidat von 2013, der in der kommenden Woche sein neues Buch „Das Elend der Sozialdemokratie“ vorstellen wird, rechnet zudem mit dem zurückliegenden Wahlkampf der SPD ab. Das Angebot der Partei habe „wie ein Sommerschlussverkauf“ gewirkt: „Ich hatte manchmal den Eindruck, dass Martin Schulz hinter der Flut der Sachaussagen buchstäblich verschwand.“

Steinbrück fordert zudem eine radikale Reform des Willy-Brandt-Hauses, der SPD-Bundeszentrale. „Die Mitarbeiter dort leben zu sehr in den Fotoalben vergangener Jahrzehnte.“ (W.B.)

 
 

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