Evangelische Kirche im Rheinland in höchster Geldnot

Präses Manfred Rekowski stimmt seine Kirche auf harte Zeiten ein. In der Kasse klafft ein riesiges Loch. Über 35 Prozent müssen im Haushalt eingespart werden, also 20 Millionen Euro. Schulen, Büchereien, Wohnheime stehen auf der Streichliste. Rekowski: „Wir haben über unsere Verhältnisse gelebt.“

Bad Neuenahr. Die Evangelische Kirche im Rheinland steht vor einem massiven Umbruch. Die Finanznot zwingt zu drastischen Einschnitten. Schulen, Büchereien und Studentenwohnheime stehen auf der Streichliste. Grund für die Misere sind finanzielle Fehlplanungen und falsche Einschätzungen. Präses Manfred Rekowski musste nun einräumen: „Wir haben ein Stück weit über unsere Verhältnisse gelebt.“

Auf der Landessynode in Bad Neuenahr, auf der 214 Delegierte aus 38 Kirchenkreisen mit insgesamt 2,7 Millionen Mitgliedern seit Donnerstag einen Ausweg aus der Krise suchen, droht „ein Massaker“, wie es ein Synodaler sarkastisch ausdrückte. „Über 35 Prozent“, so Rekowski, müssten im Haushalt eingespart werden. Das Sparvolumen liegt damit bei 20 Millionen Euro. „Wir müssen grundlegend Inventur machen“, konstatierte der Präses im WDR-Radio. Und weiter: „Wir werden auch sinnvolle und gute Arbeit beenden müssen, weil wir sie nicht mehr finanzieren können.“

Der Synode in Bad Neuenahr liegen insgesamt an die 150 Sparvorschläge aus allen Abteilungen vor. 60 Arbeitsplätze sind betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen will die Kirche dabei möglichst vermeiden.

Die Pensionslasten drücken

Angesichts des Sparzwangs will die Spitze der Landeskirche ein Zeichen setzen: So soll der durch die Ernennung von Vizepräses Petra Bosse-Huber zur Auslandsbischöfin frei gewordene Leitungsposten der Abteilung für Theologie und Diakonie im Landeskirchenamt fürs erste nicht wieder besetzt werden.

Doch damit wird es nicht getan sein. Denn vor allem die Pensionslasten wurden bei den Verantwortlichen in der Landeskirche offenbar falsch eingeschätzt. „Als wir sehr viele junge Theologinnen und Theologen ins System geholt haben, dachten wir, es gibt eine große Kontinuität, und dass die nächste Generation dann auch für die Versorgungslasten aufkommen könne“, so Rekowski im WDR. Aber das sei angesichts der sinkenden Mitgliederzahlen nicht mehr der Fall: „Wir haben gelernt, dass wir von der Kontinuität auf der Einnahmen-Seite dauerhaft nicht ausgehen können.“

Kirchensteuereinnahmen brechen weg

Nun heißt es also sparen. Besonders um die geplanten Streichungen bei den Schulen in Trägerschaft der Kirche dürfte es Diskussionen geben. Die Kirche unterhält derzeit zehn Schulen in NRW und Rheinland-Pfalz. Vorgeschlagen wird, freiwerdende Lehrerstellen nicht mehr zu besetzen. Zudem sollen mehr als 260 000 Euro bei Mensen und Caféterien eingespart werden.

Auch über die Aufgabe von Studentenwohnheimen der Kirche sollen die Synodalen abstimmen. Zahlreiche Zuschüsse der Kirche vom evangelischen Binnenschifferdienst bis zur Flughafenseelsorge und dem Posaunenwerk sollen gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Und die Aussichten sind nicht eben rosig. Bis 2030 erwartet die rheinische Kirche einen Mitgliederrückgang um ein Drittel – und eine Halbierung der Kirchensteuereinnahmen.

 
 

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