EU erlaubt mehr Werbung im TV

Nun ist es beschlossen: Produktwerbung in laufenden Fernseh- und Kinofilmen, in Sportübertragungen, Seifenopern und Serien wird europaweit erlaubt. Im Europäischen Parlament stimmt die Mehrheit der Abgeordneten für diese lukrative Einnahmequelle.

Eine Einnahmequelle für TV-Produzenten, Sender und Filmstudios. Ob Firmen wie Lacoste, Porsche, Kelloggs oder Herta ihre Würstchen, Cornflakes, Autos oder Polohemden in den Filmen zur Schau stellen, sollen die Zuschauer per Einblendung vor dem Film, in der Werbepause und im Abspann lesen. Die maximale Zeit für Werbepausen bleibt auf 12 Minuten pro Stunde begrenzt, die Sendungen dürfen jedoch häufiger unterbrochen werden. In Spielfilmen sollen Werbepausen einmal alle 30 Minuten erlaubt sein. Auch in Kindersendungen dürfen nun Kaufanreize mit Hilfe von Werbepausen gesendet werden, wenn Filme länger als 30 Minuten laufen.

Nur die gezielte Produktplatzierung, etwa von Cheeseburgern und Nintendo-Spielen gegen Geldbeträge der Fast-Food-Ketten und Spielzeug-Hersteller, wird im Kinderprogramm nicht erlaubt. Die gestern beschlossene EU-Richtlinie „Fernsehen ohne Grenzen" legt fest, dass Deutschland und alle anderen EU-Staaten ihre nationalen TV-Gesetze bis Ende 2009 an die EU-Regeln anpassen müssen. Diese gelten dann auch für Fernsehen per Internet und TV per Handy.

„Die Modernisierung der Fernseh-Richtlinie kommt just zur rechten Zeit."

Bei der Kompromisssuche im Europäischen Parlament war zuvor ein heftiger Streit um die „Amerikanisierung" des Fernsehens wegen Produktwerbung in laufenden Filmen entbrannt. Die für die Richtlinie federführende Politikerin Ruth Hieronymi reagierte gestern jedoch zufrieden: „Die Modernisierung der Fernseh-Richtlinie kommt just zur rechten Zeit", so die CDU-Abgeordnete mit Blick auf neue Medien wie Internet-TV, für die bislang kaum Regeln gelten. Bernhard Rapkay (SPD) forderte: „Die Sender müssen dafür Sorge tragen, dass beispielsweise für Fastfood keine Werbung mehr in Kinderprogrammen läuft".

In Deutschland müssen die Politiker nun entscheiden, ob sie in einem neuen Rundfunkstaatsvertrag eine deutsche Ausnahme von der Produktwerbung verlangen wollen. Für die Grünen-Politikerinnen Helga Trüpel und Rebecca Harms ist die Linie bereits klar. Sie hatten gestern gegen die TV-Richtlinie gestimmt. „Gerade der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Europa muss frei von Product Placement bleiben", verlangte Trüpel. Und Harms sagte: „Noch mehr Werbung in Sportprogrammen, Serien oder Spielfilmen wird zu einem Qualitätsverlust europäischer Medien führen".

 
 

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