Essener Bischof eckt in Flüchtlingskrise mit KZ-Vergleich an

Ruhrbischof Franz-Josef Overbecks Äußerungen zu den Transitzonen sorgen für Kritik. Foto:Ingo Otto/Ingo Otto / Funke Foto Services
Ruhrbischof Franz-Josef Overbecks Äußerungen zu den Transitzonen sorgen für Kritik. Foto:Ingo Otto/Ingo Otto / Funke Foto Services
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Franz-Josef Overbeck: In Transitzonen fühlen sich Menschen wie im KZ. Politologe Leggewie bezeichnet Vergleiche mit der Nazi-Zeit als „geschmacklos“

Mülheim.. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck mit provokanten Äußerungen in die Flüchtlingsdebatte einschaltet. Nun wirft er der Großen Koalition „Zündeleien in den Parteipolitiken“ vor und rückt die von CDU/CSU geforderten Transitzonen in die Nähe von Konzentrationslagern.

„Das Wort Transitzonen finde ich unglaublich. Die Leute werden in so etwas wie Konzentrationslager hineingesetzt. Aber auch Einreisezentren halte ich für ein schräges Wort“, sagte Overbeck am Dienstagabend bei einer Diskussion mit Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim.

Am Mittwoch präzisierte der Bischof seine Aussagen in einem Interview mit dem Kölner Domradio. Auf die Frage, warum sich Flüchtlinge in Transitzonen vorkommen müssten wie in Konzentrationslagern, antwortete Overbeck: „Die Art und Weise, wie Menschen dort behandelt und abgeschlossen werden, ließ mich – und auch andere Leute im Ruhrgebiet – sofort daran denken, dass es so etwas sein könnte.“ Und der Bischof fügte hinzu: „Ich will nicht sagen, dass es so etwas ist. Ich wollte darauf hinweisen, dass wir uns so etwas auf keinen Fall erlauben dürfen.“

Politologe Leggewie: „Unhistorisch und trivialisierend“

In der politischen Auseinandersetzung gelten Bezüge zur Zeit des Nationalsozialismus als heikel. Bundeskanzler Helmut Kohl löste eine Welle der Empörung aus, als er den sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow mit Hitlers Propagandachef Joseph Goebbels verglich. Der damalige Bundestagspräsident Philip Jenninger trat gar zurück, nachdem er sich missverständlich über die Gefühlslage im Dritten Reich geäußert hatte.

Nun gibt es auch harsche Kritik an Ruhrbischof Overbecks Äußerungen zu den Transitzonen und KZs: „Vergleiche dieser Art sind geschmacklos, weil der historische Hintergrund ein ganz anderer ist“, sagte Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen, dieser Zeitung. Der Politologe teilt ausdrücklich die Kritik an den geplanten Transitzonen. Im Gegensatz zu Konzentrationslagern in der Nazi-Zeit würden Flüchtlinge in den von der Union geplanten Transitzonen aber nicht zu Zwangsarbeit abkommandiert und als vernichtungswürdige Feinde behandelt, erklärt Leggewie. NS-Vergleiche bergen nach Einschätzung des Essener Politikwissenschaftlers grundsätzlich die Gefahr, „unhistorisch und trivialisierend“ zu wirken. Der baden-württembergische CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Bareiß forderte den Ruhrbischof auf, den Vergleich zurückzunehmen und sich zu entschuldigen.

Ruhrbischof entschuldigt sich

Für den Vergleich der Transitzonen für Flüchtlinge mit Konzentrationslagern hat sich Overbeck unterdessen entschuldigt. "Mir ist bewusst geworden, dass dieser unangemessene Vergleich viele Menschen verletzt. Hierfür bitte ich um Entschuldigung", erklärte der Essener Geistliche in einer Pressemitteilung am Mittwochabend.

Als Vorsitzender der Kommission für gesellschaftliche und soziale Fragen der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hatte sich Overbeck in jüngster Vergangenheit immer wieder zur Flüchtlingskrise geäußert und war zuletzt Ende September mit seiner Predigt am „Caritas-Sonntag“ im Essener Dom angeeckt. Darin hatte der Sozialbischof unterstrichen, dass Wohlstandsverluste und Verzicht durch die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland unvermeidlich und zumutbar seien. In den sozialen Netzwerken löste Overbeck damit einen Sturm der Entrüstung aus. Auf der Facebook-Seite des Bistums Essen drohten viele Katholiken mit Kirchenaustritt. (mit dpa)

 
 

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