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Es dauert Stunden oder Tage

Hagen. 

Nach einem Monat im künstlichen Koma versuchen Ärzte nun, Michael Schumacher aufzuwecken. Wie lange so ein Prozess dauern kann, sei höchst individuell, sagt Prof. Ulrich Kampa, Leitender Oberarzt der Evangelischen Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin in Hattingen. „Es kann Stunden bis Tage dauern.“

Medikamente werden reduziert

Man müsse sich vorstellen, dass jemand, der im künstlichen Koma liegt, in tiefer Narkose schlafe. Nun werden die Schlaf- und Schmerzmittel langsam reduziert. Ob ein Patient aufwache, hänge aber nicht nur mit der Reduktion dieser Medikamente zusammen, „sondern vor allem damit, ob die Hirnschädigung nicht so gravierend ist, dass ein Aufwachen unmöglich ist“.

Sollte sich das Gehirn wieder erholt haben, sei es trotzdem ungewiss, wie schnell jemand wach wird. Es komme immer auch darauf an, wie schnell die Schmerz- und Schlafmittel aus dem Körper gespült werden, wie gut Nieren und Leber damit fertig werden.

In den seltensten Fällen schlägt jemand einfach so beide Augen auf und sagt „Hallo“. Das Wachwerden passiert schrittweise. Und wird durch eine Art „Coma-Score“, einem Punktesystem, festgehalten. Um genau zu wissen, in welcher Bewusstseinsphase sich der Patient befindet, testen Ärzte zum Beispiel die Reflexe, wie den Fußsohlenreflex (wegziehen, wenn gekitzelt wird). Oder sie streichen mit einem Wattebäuschchen über den Augapfel, um zu prüfen, ob sich das Augenlid auf Reiz sofort schließt. Es wird über den Beatmungsschlauch ein Reiz ausgelöst, um zu prüfen, ob der Patient in der Lage ist zu husten. Auch bildgebende Verfahren wie CT und MRT überwachen die Hirnfunktion. In der Regel werden die Reflexe nach und nach stärker, wenn die Narkose abnimmt. Kurz vor dem Aufwachen bemerkt der Arzt: „Puls und Blutdruck steigen.“

Herausforderung für die Medizin

Ein Patient im künstlichen Koma ist eine Herausforderung für die Medizin. Die Patienten werden künstlich beatmet, künstlich ernährt und streng überwacht: Wichtige Körperfunktionen wie Blutdruck und Herzfrequenz werden konti­nuierlich kontrolliert.

Trotzdem können laut Kampa Komplikationen auftreten. Fast 250 000 Menschen in Deutschland erleiden pro Jahr ein Schädel-Hirn-Trauma – es stellt die Haupttodesursache der unter 45-Jährigen dar. 40 bis 50 Prozent der Patienten mit schwerstem Schädel-Hirn-Trauma sind im künstlichen Koma noch auf der Intensivstation, so die Statistik, die besagt, dass die andere Hälfte der Patienten es schafft. Häufig bleiben Folgeschäden – im schlimmsten Fall bleibendes Koma oder Wachkoma. Häufig kommen neurologische Ausfälle vor, wie Lähmungen, auch kann das Gedächtnis Schäden erlitten haben. Nicht selten ist das Sprachzentrum geschädigt. Da jede Hirnblutung und jeder Krankheitsverlauf anders ist, gibt es keine verbindlichen Daten, wie häufig welche Komplikationen genau zu erwarten sind. Auch wenn sich der Patient in der Aufwachphase befindet, sei die Lebensgefahr noch nicht gebannt. Eine schwere und nicht seltene Komplikation nach maschineller Beatmung sei die Lungenentzündung.