Erdogan droht einem EU-Land offen mit Krieg: „Wir schrecken nicht davor zurück...“

Türkei: Legt es Recep Tayyip Erdogan auf einen Krieg mit diesem EU-Land an?
Türkei: Legt es Recep Tayyip Erdogan auf einen Krieg mit diesem EU-Land an?
Foto: imago images / Sven Simon

Recep Tayyip Erdogan ist nicht gerade für seine zurückhaltende Art bekannt. Bei einem Konflikt mit einem EU-Staat wird der Ton aktuell immer rauer. Dabei geht es um Erdagsfelder im Mittelmeer, welche neben der Türkei auch noch ein weiteres Land beansprucht.

Sind die Aussagen Erdogan nur Show oder steckt eine ernste Bedrohung dahinter? Türkei-Expertin Marion Sendker befürchtet einen „kalkulierten Krieg“ Erdogans mit dem NATO-Bündnisstaat.

Erdogan: Regierung der Türkei sendet Warnung an EU-Mitgliedsstaat

Der Streit zwischen der Türkei und Griechenland droht aus dem Ruder zu laufen. Die Sätze werden immer schärfer. „In diesem Kampf schrecken wir nicht davor zurück, Märtyrer und Veteranen zu hinterlassen", posaunt Präsident Erdogan. Und er fragt, ob „diejenigen, die sich derzeit im Mittelmeer und Umgebung gegen uns stellen", zu den selben Opfern bereit seien.

Laut einem Bericht der Zeitung Welt soll Erdogan seinen Generälen sogar schon den Auftrag gegeben haben, ein griechisches Schiff im Mittelmeer zu versenken - allerdings so, dass niemand dabei sterbe. Doch das türkische Militär zögert noch, man fährt noch Manöver zur Vorbereitung. Für den September sind militärische Übungen auf der geteilten Insel Zypern geplant, kündigt das Verteidigungsministerium derweil an.

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Darum spitzt sich der Konflikt zwischen der Türkei und Griechenland immer mehr zu:

  • Griechenland hat angekündigt, sein Hoheitsgebiet im Ionischen Meer von sechs auf 12 Seemeilen auszudehnen.
  • Der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu warnt die Griechen: Sollte Griechenlnd die Zone auch um seine nahe an der Türkei gelegenen Inseln ausweiten, „wäre das ein Grund für einen Krieg, der Casus Belli".
  • Die griechische Seite wirft andererseits den Türken einen „grenzenlosen Expansionismus" vor. Griechenlands Energieminister Kostis Chatzidakis spricht von „Größenwahn und Wichtigtuerei auf der anderen Seite der Ägäis".
  • Athen verdächtigt Ankara, illegal die Erdgasvorkommen im griechischen Gebiet des östlichen Mittelmeers zu erkunden.

Erdogan, die Türkei und die EU: Ein schwieriges Verhältnis

Auch für die EU ist die diplomatische Krise höchst heikel: Auf der einen Seite wären türkische Erkundungsfahrten zwar eine Provokation, ohne Gas-Bohrungen aber noch keine totale Eskalation der Lage. Andererseits sind die EU-Staaten durch den Flüchtlingspakt mit Erdogan auch von der Türkei abhängig. Die Flüchtlingssituation könnte ähnlich wie 2015 absolut aus dem Ruder laufen, wenn sich die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Erdogan weiter verschlechtern.

Hinzu kommt die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei, die sich durch die Corona-Krise massiv zugespitzt hat. Das Interesse von Erdogan könnte sein, die Energieversorgung seines Landes unabhängiger von Importen zu machen. Aber um welchen Preis?

Türkei-Expertin Marion Sendker hat eine andere These: Es gehe Erdogan vor allem um nationalistische Politik, die nach innen wirken solle. Durch die Beschwörung einer äußeren Gefahr wolle er das Volk wieder hinter sich vereinen. Sein Rückhalt bröckelt, deswegen brauche er einen inszenierten außenpolitischen Konflikt. Für das Erdgas im Mittelmeer allein lohne sich ein Krieg mit all den Folgen jedenfalls kaum, zumal der Weltmarktpreis von Gas in der Corona-Krise gesunken ist.

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Die Türkei und Griechenland blicken auf eine blutige Vergangenheit zurück. Nach Beendigung des 1. Weltkrieges kam es zu einem Krieg zwischen dem damaligen Königreich Griechenland und dem anatolischen Teil des zerschlagenen Osmanischen Reiches. Mustafa Kemal Pascha (später Atatürk genannt) ging als großer Sieger hervor. Infolgedessen kam es zu einem Bevölkerungsaustausch mit Zwangsumsiedlungen. Eine weitere Eskalation der Beziehungen beider Ländern ergab sich durch die türkische Invasion auf Zypern 1974.

Erdogan: Türkische Wirtschaft bricht zusammen – Deutsche mitverantwortlich für Desaster

Schwere Zeiten für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan: Die Wirtschaft in seinem Land steckt in einer tiefen Krise. Die Wirtschaftszahlen in der Türkei brachen in den vergangenen Monaten total ein. (mag/mit dpa)

 
 

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