Erdogan-Kritikerin (75) aus Haft entlassen: Ihre ersten Worte sind herzzerreißend

Erdogan-Kritikerin Nazli Ilicak saß drei Jahre in einem Istanbuler Frauengefängnis.
Erdogan-Kritikerin Nazli Ilicak saß drei Jahre in einem Istanbuler Frauengefängnis.
Foto: Imago Images / Itar-Tass

Es war 23 Uhr Ortszeit am Montagabend, als Nazli Ilicak (75) das Frauengefängnis im Istanbuler Stadtteil Bakirköy verlässt. Ihr Sohn Mehmet Ali und ihr Bruder Ömer nehmen sie in Empfang, die Familie umarmt sich, weint gemeinsam.

Seit September 2016 saß die Journalistin und Kritikerin von Türkei-Präsident Recep Tayyip Erdogan (65) in Haft. Der Vorwurf: „Terror-Propaganda“ und „Unterstützung einer Terror-Organisation“.

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Erdogan-Kritikerin war zu lebenslanger Haft verurteilt

Sie soll Anhängerin von Fethullah Gülen (78) sein, einem Prediger, der im Exil in den USA lebt. Erdogan persönlich hält Gülen für den Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs im Juli 2016. Die ihm gefügige Justiz hat seitdem Tausende Kritiker und Oppositionelle weggesperrt, darunter auch Nazli Ilicak.

Am 16. Februar 2018 wurde sie zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt, die Strafe wurde jetzt gegen Auflagen aufgehoben. Bis zuletzt hat sie jede Beteiligung am Putsch bestritten.

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Das ist Recep Tayyip Erdogan:

  • Recep Tayyip Erdogan ist seit dem 28. August 2014 Präsident der Türkei
  • Er ist am 26. Februar 1954 in Istanbul geboren
  • Er ist Vorsitzender der Partei AKP
  • Nach dem Verfassungsreferendum 2017 wurde das parlamentarische System im Juli 2018 bei einer vorgezogenen Wahl in ein Präsidialamt umgewandelt, damit Erdogan mehr Macht inne hat
  • Erdogan setzt sich für eine Wiedereinführung der Todesstrafe ein
  • Seit 2017 hat es zahlreiche Verhaftungen von deutschen Journalisten und Staatsangehörigen gegeben. Diese standen stets im Zusammenhang mit regierungskritischen Äußerungen in den sozialen Medien

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Ihre ersten Worte in Freiheit

Und ihre ersten Worte in Freiheit ­- einfach herzzerreißend! Die Kameras waren auf Ilicak gerichtet. Ilicak, noch immer in Tränen aufgelöst, sagte: „Möge Gott diejenigen segnen, die noch in den Gefängnissen unseres Landes sind. Bitte sorgt dafür, dass sie nicht vergessen werden! Betet für sie.“ Das berichtet das oppositionelle Medium „Ahval“.

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Keine Silbe von Selbstmitleid oder Zorn, stattdessen ein Appell an die türkische Öffentlichkeit, den Blick auf die weiterhin mangelhafte Rechtsprechung in der Türkei zu richten. Denn noch immer sitzen laut türkischer Opposition über 77.000 Erdogan-Kritiker in Haft.

 
 

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