Entsetzen über Kundenüberwachung durch Schaufensterpuppen

Sven Frohwein
Neuartige Schaufensterpuppen werden mit Kameras ausgestattet, um das Einkaufsverhalten von Kunden aufzuzeichnen.
Neuartige Schaufensterpuppen werden mit Kameras ausgestattet, um das Einkaufsverhalten von Kunden aufzuzeichnen.
Foto: James Woodson/Getty Images
Schaufensterpuppen, die mit Kameras ausgestattet sind, sollen das Einkaufsverhalten von Kunden aufzeichnen. Datenschützer kritisieren die "EyeSee-Mannequins" des italienischen Herstellers Almax. Auch Funk-Chips, die in Kleidung eingenäht sind, stoßen auf Widerstand.

Essen. Mit zweifelhaften Geschäftspraktiken versuchen führende Modeketten offenbar, ihre Kunden auszuspionieren. Kameras in Schaufensterpuppen und Computerchips, die in Textilien eingenäht werden, sollen Auskunft über die Einkaufsgewohnheiten der Verbraucher geben. Datenschützer sind entsetzt. Sie fürchten, die Unternehmen könnten so detaillierte Persönlichkeitsprofile ihrer Kunden erstellen.

Almax, Hersteller der Spezialpuppen mit Kameraaugen, bestätigte der Berliner Zeitung, dass solche Puppen bereits in Europa und in den USA zum Einsatz kommen. In Deutschland sei noch keine der „EyeSee-Mannequins“, wie Almax sein Produkt getauft hat, im Einsatz, sagte Max Catanese, Geschäftsführer des Herstellers. Doch auch hierzulande bestehe Interesse an dieser Technologie.

Almax will bereits mehrere Dutzend seiner Kamerapuppen verkauft haben. Das Videomaterial könne anschließend per Software am Computer ausgewertet werden. Die Spezialsoftware erlaube es, das Geschlecht, das Alter oder aber die Ethnie des Kunden zu erkennen und Angebote im Schaufenster und im Laden gezielter auszurichten und Verbraucher besser anzusprechen.

Datenschützer halten Vorgehen für unzulässig

Zusammen mit der „regulären“ Videoüberwachung im Geschäft, der Identifizierung beim elektronischen Bezahlen, dem aus der Kundenkarte bekannten Einkaufsverhalten und den aus Funk-Etiketten gewonnenen Erkenntnissen ließen sich mit den Videodaten detaillierte Kundenprofile anlegen, kritisierte der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar. „Ich halte eine solche lückenlose Verhaltenskontrolle für unzulässig“, sagte Schaar der WAZ.

Vor kurzem geriet das Modelabel Gerry Weber in die Kritik, weil es Funkchips in die Waschhinweise seiner Kleidung einnähen ließ. Die Technik könne durch die Vergabe einer eindeutigen Identifikationsnummer auch verwendet werden, um den Käufer der Kleidung jederzeit zu ermitteln, kritisierten Datenschützer damals. Mit einem speziellen Lesegerät lasen die Aktivisten des Vereins Foebud auch aus einigen Metern Entfernung Daten aus den Chips aus.

Funkchips kommen aber auch bei anderen Bekleidungsfirmen zum Einsatz. Das Modehaus C&A kontrolliert so seine Warenströme.