Energiewende bedroht Stadtwerke

An Rhein und Ruhr..  Bei vielen Stadtwerken an Rhein und Ruhr braut sich unter dem Eindruck der Energiewende eine bedrohliche Gemengelage zusammen. Mehr und mehr sehen sich die kommunalen Versorger gezwungen, ihr herkömmliches Geschäftsmodell zu überdenken. Zum Schaden der betroffenen Städte und zulasten der Bürger: Denn längst müssen die finanziell ohnehin gebeutelten Kommunen nun auch noch die einst sicher geglaubten Gewinnausschüttungen ihrer Töchterbetriebe abschreiben.

Das klassische Modell, wonach die Stadtwerke als „Goldesel“ der Städte durch ihre Überschüsse im Energiesektor andere Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge wie etwa den Nahverkehr gegenfinanzieren, gerät zunehmend ins Wanken. Selbst betriebsbedingte Kündigungen werden nicht mehr ausgeschlossen, heißt es aus Stadtwerke-Kreisen hinter vorgehaltener Hand. „Wir befinden uns auf abschüssigem Gelände“, sagte ein Stadtwerke-Manager, der nicht genannt werden will, sichtlich besorgt der NRZ.

Betroffen sind besonders die Stadtwerke mit eigener Energieproduktion und großen Kraftwerksbeteiligungen. Das sind fast alle an Rhein und Ruhr. Allein in Duisburg haben die beiden Kraftwerke Hochfeld und Wanheim im vergangenen Jahr 17 Millionen Euro Verluste eingefahren. Die Stadtwerke prüfen nun deren Abschaltung. Auch die Umwelt leidet: Pläne in Duisburg für ein Wasserkraftwerk an der Ruhr und zwei Windräder im Duisburger Süden wurden zu den Akten gelegt: nicht refinanzierbar. Dortmund hat Investitionen in erneuerbare Energien zwei Jahre lang auf Eis gelegt.

Zwei Jahre lang aufs Eis gelegt

Der Energieversorger Enervie in Hagen geht noch einen Schritt weiter und will sogar seinen kompletten konventionellen Kraftwerkspark stilllegen, weil er damit tief in die Verlustzone gerutscht ist. Unter den Abschalt-Kandidaten ist ein hocheffizientes Gas-Kraftwerk in Herdecke, das erst 2007 für 200 Millionen Euro gebaut wurde. Beim ebenfalls hochmodernen Gaskraftwerk Hamm-Uentrop, an dem die Stadtwerke Bochum, Herne und Witten beteiligt sind, liefen bislang 50 Millionen Euro Verluste auf. Wie ein Mühlstein am Hals hängt vielen Stadtwerken zudem das Baudesaster um das RWE-Steinkohlengroßkraftwerk in Hamm: 50 Prozent des 2,7-Milliarden-Euro-Neubaus gelten hier als Totalausfall.

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