Ende der kirchlichen Grundschulen?

Tobias Blasius

An Rhein und Ruhr.  Die knapp 1000 katholischen und evangelischen Bekenntnisschulen in NRW sollen vom kommenden Schuljahr an leichter in Gemeinschaftsgrundschulen umgewandelt werden können. Darauf haben sich die Landtagsfraktionen von SPD und Grünen mit den zuständigen Bistümern und Landeskirchen verständigt. Eine entsprechende Gesetzesänderung soll nächste Woche in den Landtag eingebracht werden.

„Der nun vorliegende Gesetzentwurf ist ein gutes Ergebnis, da dieses einvernehmlich von den Kirchen mitgetragen wird“, sagte SPD-Schulexpertin Renate Hendricks. Künftig können die 881 katholischen und 75 evangelischen Bekenntnisschulen in konfessionslose Grundschulen umgewandelt werden, wenn mehr als die Hälfte der Eltern dafür stimmen. Bislang war eine Zwei-Drittel-Mehrheit notwendig. Schon zehn Prozent der Elternschaft einer Schule können die Befragung beantragen. Bislang waren 20 Prozent erforderlich.

Zudem bekommen die Kommunen als Schulträger ein Initiativrecht und können eine Elternabstimmung selbst in Gang setzen. Dies sei für die lokale Schulentwicklungsplanung von Bedeutung, sagte Hendricks. Die Bekenntnisschulen müssen sich unabhängig davon künftig bei der Lehrerauswahl öffnen: Wenn es um die Sicherung der Unterrichtsversorgung geht, müssen stellvertretende Schulleitungen und das Kollegium nicht mehr zwingend der Religion der Schule angehören. Bislang fiel an Bekenntnisschulen der Unterricht aus, wenn Lehrer mit der richtigen Religionszugehörigkeit fehlten.

„Die gesellschaftliche Realität hat sich längst verändert. Die Zahl der Kinder, die dem katholischen oder evangelischen Glauben angehören, sinkt“, erklärte Grünen-Schulexpertin Sigrid Beer. 36,8 Prozent der Grundschulkinder in NRW sind noch katholisch getauft, 24,6 Prozent evangelisch. Doch 17 Prozent sind konfessionslos und 16,2 Prozent islamischen Glaubens. Tendenz steigend.

Da die Bekenntnisschulen zu 100 Prozent vom Staat finanziert werden, waren die Privilegien der großen Kirchen in fast jeder dritten Grundschule in NRW zuletzt immer häufiger infrage gestellt worden. Zumal 75 der 396 Kommunen ausschließlich über katholische oder evangelische Bekenntnisschulen verfügen. Die Frage der Aufnahme aller Kinder unabhängig von ihrem Glauben hatte vor Ort ebenso für Ärger gesorgt wie die verpflichtende Glaubenserziehung oder der Ausschluss religionsloser Lehrer.