Eltern kommen mit Forderung nach Abschied von G8 nicht durch

Theo Schumacher
Viele Schüler sind gestresst vom achtjährigen Gymnasium. Für sie könnte es Erleichterungen geben - immerhin.
Viele Schüler sind gestresst vom achtjährigen Gymnasium. Für sie könnte es Erleichterungen geben - immerhin.
Foto: Getty
Elterninitiativen fordern die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Doch in NRW werden sie damit wohl nicht durchkommen - das zeigte am Montagabend ein Runder Tisch im Schulministerium. Sie haben Kommunen, Lehrer, Kirchen gegen sich. Erleichterungen für die Schüler könnte es trotzdem geben.

Düsseldorf. In NRW zeichnet sich trotz wachsender Kritik am „Turbo-Abi“ derzeit keine Rückkehr zum neunjährigen Abitur am Gymnasium ab. Das ergab am Montagabend der Runde Tisch von Experten bei Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne). Gleichzeitig wurde aber vereinbart, dass Arbeitsgruppen neue Vorschläge für eine Reform des G8 erarbeiten sollen. Eine Entscheidung wurde nicht getroffen. Der Prozess sei „ergebnisoffen“, betonte Löhrmann. Sie wolle keine „Basta-Politik“.

In der dreieinhalbstündigen Sitzung habe eine große Mehrheit eine „Rolle rückwärts“ zum G9 abgelehnt, aber „Optimierungen“ im System verlangt. So soll gewichtet werden, ob Schulzeit und Freizeit bei G8-Schülern noch in einem vernünftigen Verhältnis stehen. Dabei soll auch der Ganztags-Unterricht eine Rolle spielen. Untersucht werden sollen weitere Möglichkeiten der Entlastung an allen Schulen.

Kommunen waren gegen G9, Eltern waren dafür

Benötigt werde eine „vernünftige Evaluierung“ des G8, sagte Löhrmann. Dem Vernehmen nach waren Vertreter der Kommunen gegen eine Rückkehr zum G9, ebenso Kirchen und Lehrerverbände. Dagegen untermauerten Elterninitiativen ihre Forderung nach Wiedereinführung des neunjährigen Abiturs mit Umfragen, in denen dies von 76 Prozent der Befragten unterstützt wird. Löhrmann räumte ein, dass die Gegner des G8 sich heute mehr Gehör verschaffen als bisher.

Für die Gewerkschaften war ein erneuter Schwenk zum G9 kein Thema. GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer forderte aber Reformen und eine „Reparatur“ der Mängel beim G8. Der verbindliche Ganztag müsse schrittweise für alle Gymnasien erreicht werden. Außerdem sollte für Schüler, die das Gymnasium nach Klasse 10 verlassen müssen, der mittlere Schulabschluss möglich sein.

"Politik nach Umfragen und Stimmungen"

Für den Philologenverband lehnte Peter Silbernagel eine Politik „nach Umfragen und Stimmungen“ ab. Um Kritik von Eltern und Schülern aufzunehmen, schlug er vor, den Nachmittagsunterricht in den Klassen 5 bis 9 auf einmal pro Woche zu begrenzen. In den Klassen 5 und 6 sollte nachmittags gar kein Fachunterricht erteilt werden. Darüber hinaus müssten Lehrpläne optimiert werden. „Man muss auch den Mut haben, Inhalte wegzulassen“, sagte er.

Bis zum nächsten Treffen in den Herbstferien sollen die Vorschläge auf dem Tisch liegen. Danach soll der Landtag entscheiden.