Einsamkeit im Alter nimmt in den nächsten Jahren zu

Einsamkeit im Alter wird ein zentrales Problem der kommenden Jahre sein.
Einsamkeit im Alter wird ein zentrales Problem der kommenden Jahre sein.
Foto: WP Michael Kleinrensing
In Hagen lag die Leiche einer 66-jährigen Frau fünf Jahre lang in ihrer Wohnung. Entdeckt wurde sie zufällig. Ein extremer Fall, doch das Problem der Einsamkeit im Alter droht in den kommenden Jahren eines der zentralen Probleme zu werden. Viele Haushalte in Deutschland werden von Singles bewohnt.

Ruhrgebiet. Einsamkeit im Alter droht eines der zentralen Probleme der nächsten Jahre zu werden. „Die sogenannte Babyboomer-Generation der heute 45- bis 55-Jährigen ist die erste, die wenig oder keine Kinder bekommen hat und deshalb im Alter nicht mehr so stark auf familiäre Strukturen zurückgreifen kann“, sagt Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung.

Die bis 2030 in Deutschland anwachsende Zahl der Single-Haushalte mit älteren Menschen steht dabei einer deutlich geschrumpften nächst-jüngeren Generation gegenüber, die diese potenziell betreuen oder pflegen könnte.

Seit fünf Jahren tot in der Wohnung gelegen

Ein eklatantes Beispiel für die Vereinzelung in dieser Gesellschaft hatte es in den vergangenen Tagen in Hagen gegeben, wo Nachbarn erst durch Einbrecher darauf aufmerksam wurden, dass ei­ne Frau bereits seit fünf Jahren tot in ihrer Wohnung in einem Mehrfamilienhaus lag.

Die 66-jährige Frau war stark mumifiziert und skelettiert aufgefunden worden. Ihre Wohnung war völlig vermüllt. Vermisst hatte sie offenbar niemand.

81 Prozent der bundesdeutschen Haushalte werden im Jahr 2030 laut einer Untersuchung des Statistischen Bundesamtes aus nur einer oder zwei Personen bestehen. Die Singles unter ihnen werden durchschnittlich älter sein als heute. 40 Prozent von ihnen sind dann 60 Jahre und älter. Der Anteil der 20- bis 39-Jährigen dagegen wird gegenüber heute von 31 auf 28 Prozent sinken.

Immer weniger übernehmen Veratnwortung

Der Fall der in Hagen gefundenen Toten mag ein extremer sein, doch selbst sozial engagierte Wohnungsunternehmen wie die Allbau AG in Essen beobachten, „dass der nachbarschaftliche Zusammenhalt nicht mehr so stark ist“, so Allbau-Vorstand Dirk Miklikowski. Das Sich-Kümmern um Menschen habe abgenommen, immer weniger wollten Verantwortung übernehmen.

Zusätzlich zu Hausverwaltern beschäftigt das Unternehmen deshalb Sozialarbeiter, die Probleme vor Ort erkennen sollen. „Dennoch gibt es bei 18.000 Wohnungen im Bestand auch bei uns Todesfälle, bei denen wir die Wohnungen öffnen müssen. Manchmal wurde der Tote erst nach ein paar Tagen entdeckt“, so Miklikowski.

 
 

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