Ein Pfleger, 25 Patienten: Nachtschichten oft unterbesetzt

In einer Stichprobe an 237 Kliniken hat Verdi deutliche Personallücken festgestellt.
In einer Stichprobe an 237 Kliniken hat Verdi deutliche Personallücken festgestellt.
Foto: Ingo Otto/WAZ FotoPool (Symbolfoto)
Die Nachtdienste in Krankenhäusern sind laut Verdi teils massiv unterbesetzt. Dies gefährde nicht nur die Patienten, sondern auch die Beschäftigten.

Berlin. Krankenstationen in deutschen Kliniken sind nachts oft gefährlich unterbesetzt: Wie der "Nachtdienst-Check" der Gewerkschaft Verdi ergab, muss sich oft eine einzige Pflegekraft um durchschnittlich 25 Patienten kümmern.

Krankenschwestern und Pfleger beklagen, dass sie wegen der Überlastung nötige Leistungen zum Teil nicht mehr erbringen können. Jeder Dritte gab an, dass der Arbeitsdruck so hoch sei, dass wichtige Hygienemaßnahmen vernachlässigt würden - etwa die Desinfektion der Hände.

Die Gewerkschaft hatte in der Nacht zu Freitag eine bundesweite Umfrage unter mehr als 3000 Beschäftigten in 237 öffentlichen, kirchlichen und privaten Krankenhäusern durchgeführt. Unter den rund 2800 Stationen waren auch etwa 400 Intensivstationen: Kaum eine erreichte das von Fachgesellschaften empfohlene Betreuungsverhältnis, nach dem eine Pflegefachkraft höchstens für zwei Intensivpatienten zuständig sein soll.

Gefährliche Situationen im Krankenhaus

Knapp 60 Prozent der in dieser Nacht befragten Pflegekräfte gaben an, dass es in den letzten Wochen gefährliche Situationen gegeben habe, die durch mehr Personal hätten verhindert werden können. Die Mehrheit beklagte, dass sie "nie" oder "selten" ihre Arbeit in der erforderlichen Qualität erledigen könne.

Die Folgen: Hygienestandards greifen nicht mehr, Schwerstkranke und Sterbende können oft nicht ausreichend betreut werden, Schmerzen müssen unnötig lange ertragen werden, Patienten liegen länger als zumutbar in ihre Ausscheidungen. "Das ist unwürdig", so Verdi-Bundesvorstand Sylvia Bühler bei der Vorstellung des Nachtdienst-Checks in Berlin.

Laut Verdi fehlen bundesweit in den Krankenhäusern rund 70000 Pflegekräfte. Die Gewerkschaft fordert eine gesetzliche Regelung, um die Personalstärke auf den Stationen einheitlich festzuschreiben. Die Bundesregierung will bis 2017 prüfen, wie das Personalproblem in den Kliniken gelöst werden kann.

Das Pflegeförderprogramm der Regierung mit einem Volumen von 660 Millionen Euro für zusätzliches Personal sei "Symbolpolitik", so Bühler. Um den Personalmangel zu beenden, sei eine Summe von acht Milliarden Euro nötig.

 
 

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