Ein erster Schritt – von Jürgen Polzin

Jürgen Polzin

Die Welt ist seit dem Wochenende nicht besser oder schlechter geworden. Auch wenn er teils windelweich ist, dieser Kompromiss im Klimaschutz: Die Vereinten Nationen haben nach langer Zeit wieder Handlungsfähigkeit und politischen Willen gezeigt. Bei einem erneuten Scheitern, nur ein Jahr nach Kopenhagen, wären die Verhandlungen unter dem UN-Dach wohl bedeutungslos geworden. Niemand hätte sie mehr ernst genommen.

Klimagipfel sind skurrile Veranstaltungen. Zehntausend Menschen pferchte man in Cancún in ein Konferenzgebäude und ließ es von Soldaten bewachen. Drinnen rangen sie um mehr Waldschutz und druckten die Ergebnisse auf Tonnen von Papier aus. Doch für viele Menschen draußen ist das Klimathema keines, über das man sich den Kopf zerbricht. Daher muss man erklären, warum es sich lohnt, in erneuerbare Energien zu investieren. Dass man Lebensstile neu erfinden kann, ohne auf Wohlstand zu verzichten. Dass Nichthandeln teurer wird als Handeln. Es sind die Menschen in den Städten und Unternehmen, die das Beschlossene umsetzen und auch mitbezahlen müssen.

Auf Klimagipfeln sprechen Delegierte aus Bangladesch, aus Afrika, von Pazifikinseln. Um sich eine Meinung zu bilden, sollte man ihnen zuhören, wenn sie berichten, dass der Klimawandel bereits stattfindet.