Ein Doktortitel beschleunigt nicht alle Karrieren

Promovierte, hier an der Bonner Universität, haben es gut auf dem Arbeitsmarkt. Zumindest, wenn sie ihre Arbeit im richtigen Fach geschrieben haben.
Promovierte, hier an der Bonner Universität, haben es gut auf dem Arbeitsmarkt. Zumindest, wenn sie ihre Arbeit im richtigen Fach geschrieben haben.
Foto: Jakob Studnar
Die Plagiatsaffären von Politikern wie Annette Schavan haben arg am Image des Doktortitels gekratzt. Was ist er heute noch wert? Das lässt sich sogar in Euro und Cent sagen, aber Geisteswissenschaftler aufgepasst!

Essen. Die Plagiats-Affären werfen erneut die Frage auf: Was ist ein Doktor-Titel noch wert? Bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt, steilere Karriere, Eintrittskarte für Spitzenposten oder pure Eitelkeit?

Etwa 24.000 Promotionen werden jedes Jahr in Deutschland abgelegt, Tendenz steigend. Die meisten davon, knapp 8000, werden in der Medizin geschrieben. Gedacht war die Promotion als erster Höhepunkt einer wissenschaftlichen Laufbahn auf dem Weg zur Professur. Doch auch wer als erfolgreich gelten und Karriere machen will, schmückt sich gerne mit dem „Dr.“.

10.000 bis 20.000 Euro mehr Einstiegsgehalt

Und das zahlt sich, je nach Branche, in Euro und Cent aus. „Für eine Karriere als Anwalt, Unternehmensberater oder Wirtschaftsprüfer, in der Chemie- und Pharmaindustrie und im Maschinenbau ist der Titel von Vorteil“, sagt Sörge Drosten, Geschäftsführer bei Kienbaum Executive Consultants Düsseldorf. In anderen Bereichen, etwa der IT-Branche, spiele der Titel aber gar keine Rolle, so Drosten.

Je nach Berufsfeld kann das Einstiegsgehalt mit einer Promotion um 10.000 bis 20.000 Euro steigen. „Dafür aber hat man drei bis fünf Jahre verloren“, gibt Drosten zu bedenken, „in dieser Zeit kann man auch an der Karriere arbeiten.“ Er glaubt daher, dass sich eine Promotion erst auf längere Sicht auszahlt.

Bei Juristen gibt es mit Titel bis zu 30 Prozent mehr

Nach einer aktuellen Studie des Instituts für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (IFQ) in Berlin ist der Gehaltseffekt einer Promotion sehr unterschiedlich. Mit einem Lohnaufschlag von bis zu knapp 30 Prozent profitieren am meisten die Juristen. Mit Lohnvorteilen von 16 Prozent folgen die Ingenieurwissenschaftler, 12 Prozent mehr erhalten Ökonomen, 10 Prozent Mediziner. Dagegen müssten Sprach- und Kulturwissenschaftler sogar häufig mit Abschlägen rechnen, wenn sie eine Promotion vorweisen. Geisteswissenschaftler mit „Dr.“ gelten leicht als überqualifizierte Theoretiker. Was also ist der Titel wert? Die richtige Antwort ist: Kommt drauf an.

 
 

EURE FAVORITEN