Dunja Hayali: Carola Rackete spricht erstmals im TV - doch es gibt ein Problem

Dunja Hayali im Gespräch mit Carola Rackete.
Dunja Hayali im Gespräch mit Carola Rackete.
Foto: dpa

Manchmal bedarf es einer Zwangsneurose.

Oder besser: Manchmal ist nervtötende Penetranz eine Tugend. Wie man das zum Beispiel von Markus Lanz kennt, der seine Nachfragen so oft stellt, bis seine Gesprächspartner einknicken oder einschlafen. Oder von Frank Plasberg, der als schlagendes Argument einfach noch einen Einspieler aus dem Ärmel zaubert. Oder von Anne Will, die widerspenstige Politiker durchs bloße Hochziehen einer Augenbraue bisweilen in die Knie zu zwingen vermag.

Dunja Hayali ist so nicht. Und war deshalb die falsche Wahl für das erste TV-Interview mit Carola Rackete.

Dunja Hayali: Erster TV-Auftritt bei Carola Rackete

Es war eine Premiere am Mittwochabend bei Dunja Hayali: Erstmals sprach die Seawatch-Kapitänin live im deutschen Fernsehen. Schon im Vorfeld hatte es viel Aufregung und Kritik in den sozialen Medien wegen der Gästeauswahl gegeben.

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Neben Rackete war noch Grünen-Chef Robert Habeck geladen, der seine grüne Politik gegenüber dem Flughafenchef Raoul Hille, dem Landwirt Thorsten Riggert und der Braunkohlekraftwerk-Personalerin Melanie Zirzow verteidigen musste.

Robert Habeck auf der Gästeliste

Am Gespräch mit Rackete war keiner von ihnen beteiligt. Und auf der Gästeliste stand niemand, der eine grundsätzlich andere Meinung als Carola Rackete vertreten und so zu einer lebhaften Diskussion hätte beitragen können.

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Nun muss eine Talksendung sicher nicht zwingend sämtliche denkbaren Positionen durch die Gästeauswahl abdecken. Aber zumindest inhaltlich sollten sie bei einem Thema wie der Seenotrettung, das derzeit derart stark polarisiert, aufgegriffen werden.

Dunja Hayali hetzt durch die eigene Sendung

Dafür fehlte Dunja Hayali aber allein schon die Zeit: Zu sehr hetzte die Moderatorin durch die eigene Sendung. Für das lange angekündigte Interview mit Carola Rackete blieben am Ende gerade einmal zehn Minuten.

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Wie es ihr gehe, fragt Hayali Rackete. „Mir persönlich geht es gut“, antwortet die Kapitänin. Im Juni hatte die 31-Jährige das Rettungsschiff „Seawatch 3“ der deutschen Hilfsorganisation Sea-Watch mit 40 Migranten an Bord unerlaubt in einen italienischen Hafen gefahren. Rackete war anschließend festgenommen worden, stand vorübergehend unter Arrest.

Knapp drei Minuten vor Schluss dann kommt die einzige kritische Frage. Dunja Hayali zitiert Carola Rackete, die zuletzt gefordert hatte, Europa müsse alle Klimaflüchtlinge aufnehmen. „Haben Sie Verständnis für die Menschen, die sagen: 'So, jetzt reicht's aber auch mal?"

Racketes Antwort: „Nee, eigentlich nicht.“ Deutschland und andere europäische Staaten hätten eine historische Verantwortung. „Der muss man nachkommen.“ Kein Nachhaken, konkreter wird es nicht mehr.

Luftverkehr als „Staatsfeind Nummer eins“

Ähnlich oberflächlich blieb auch die Diskussion zwischen Robert Habeck und den drei Interessenvertretern. Dabei hatten beide Seiten interessante Argumente. Zum Beispiel Flughafenchef Hille, der sagt: „Das Kesseltreibern gegen den Luftverkehr als Staatsfeind Nummer eins ist nicht sachgerecht“. Immerhin gehe es gerade einmal um zwei bis drei Prozent des weltweiten Luftverkehranteils am menschengemachten CO2.

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Habeck deeskaliert gleich zu Beginn: „Fliegen, Kohle und Landwirtschaft sind keine Feindbilder. Wir haben alle davon profitiert. So haben wir uns das aufgebaut.“ Nur müsse man als Gesellschaft jetzt eben in kleinen Schritten etwas ändern.

Dunja Hayali: „Überleitung zum nächsten Thema“

Wie genau die Lösung aussehen könnte, erfahren wir nicht. Dafür ist in der Sendung von Dunja Hayali zu wenig Raum. Plötzlich unterbricht die Moderatorin Habeck, der dazu neigt, sich sehr weitschweifig um differenzierte Antworten zu bemühen. Er fragt: „Gegenfrage oder Antwort?“ Hayali ist da aber schon gar nicht mehr bei der Sache: „Überleitung zum nächsten Thema.“

 
 

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