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Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan

18.05.2012 | 18:48 Uhr
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
Montag findet im Bochumer Opel-Werk eine Mitarbeiterversammlung statt, auf der Opel-Chef Karl Stracke spricht und an der viele Politiker teilnehmen wollen. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel hat gegenüber DerWesten die Entscheidung von Opel hart als „Kriegserklärung an die gesamte Region“ kritisiert, die nächste Astra-Generation nicht mehr in Deutschland zu bauen. Damit wird das Ende des Automobilbaus im Ruhrgebiet wahrscheinlicher.

Betriebsratschef Rainer Einenkel wählt seine Worte immer bewusst. Eine „Kriegserklärung an das Bochumer Werk, die Region und die Stadt“ nennt der mit Hochspannungsbereichen vertraute Elektriker Einenkel die am Donnerstag per Pressemitteilung bekanntgegebene Unternehmensentscheidung, die nächste Astra-Generation 2015 nur noch in Polen und England bauen zu lassen.

Das Ende von „Made in Germany“ für das wichtigste Opel-Modell gilt als Vorentscheidung, die Produktion in Bochum Ende 2014 aufzugeben und das 1962 gegründete Werk zu schießen. In seinem Abwehrkampf erhält Einenkel zunehmend Unterstützung aus der Politik, vorzugsweise der SPD.

SPD-Parteichef Sigmar Gabriel äußerte sich gegenüber DerWesten kritisch über das Unternehmen, vorzugsweise über die Opel-Muttergesellschaft General Motors (GM): „Es ist schlimm, wie das GM-Management versucht, die Beschäftigten an den europäischen Standorten gegeneinander auszuspielen.“ Gabriel meint damit, dass man den britischen Arbeitnehmern die Zustimmung zu einschneidenden Kostensenkungen damit abgerungen hat, dass ihr zuvorderst von Schließung bedrohtes Werk Ellesmere Port den Astra über 2015 hinaus bauen darf. Einenkel enttäuscht: „Ich hätte mir Solidarität anders vorgestellt.“

Sieben Revier-OB wollen kommen

94 Prozent der Beschäftigten in England hatten am Mittwoch dem Ergebnis der Sonderverhandlungen zwischen Management und Arbeitnehmervertretern zugestimmt. Gabriel erklärte: „Es ist auch für Landesregierungen und Bundesregierung nicht hinnehmbar, wie hier Belegschaften offenbar gezwungen werden sollen, sich im Detroiter Standortpoker gegeneinander ausspielen zu lassen. Das gefährdet die Marke, das Unternehmen, die Jobs und die Standorte.“

Zur Betriebsversammlung am Montagmorgen haben sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nebst Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD) angesagt. Der sieht „ideale Voraussetzungen für die deutschen Standorte, um auch andere Konzernmodelle wie etwa von Chevrolet herzustellen.“ Über ihre Wirtschaftsexpertin und Fraktionsvize im Landtag zeigen sich die Grünen solidarisch. Daniela Schneckenburger spricht von „Lohndumping“ und „Erpressungspolitik“. Oliver Burkhard, Bezirksleiter der IG Metall in NRW, fordert gegenüber DerWesten Investitionen in die Marke: „Gegen Magersucht helfen keine Diäten.“

Um acht Uhr an Tor 4 wird neben den Opelanern eine große Fraktion aus Bundes- und Landtagsabgeordneten, Industrie- und Handelskammer-Vertretern, Gewerkschaftern und voraussichtlich sieben Revier-Oberbürgermeistern auf die Worte von Opel-Chef Karl Stracke warten. Aus Firmenkreisen war zu erfahren, dass er das Gleiche zur Zukunft von Bochum sagen werde wie bei der Belegschaftsversammlung in Rüsselsheim, also eigentlich nichts. Damit muss er auch mit ähnlichen Reaktionen wie am Montag rechnen: Buhrufen und Pfiffen.

Gerd Heidecke

Kommentare
20.05.2012
21:39
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von Dieselpumpe | #38

„SPD-Parteichef Sigmar Gabriel äußerte sich kritisch, zur Betriebsversammlung am Montagmorgen haben sich Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nebst Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (beide SPD) angesagt“.
Was bitte wollen diese Labertaschen denn machen?
Die Opel-Leute werden seit Jahren für blöd verkauft, haben sich verkaufen lassen, jetzt kommt der Abgesang.
Manager-Boni und Aktienkurse, mehr interessiert nicht – immer noch nicht kapiert?

20.05.2012
14:36
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von festus04 | #37

Es wird in der Zukunft nur der Gewinnen der den längsten finanziellen Atem hat. Die Welt ist zweigeteilt und zwar zwischen Arme,Verschuldete Länder und Reiche Menschen die alles mit ihrem Kapital beherrschen. Dieses Kapital spielt jeden aus, der nicht nach ihren Regeln mitspielt. Und wenn Politik nicht begreift erarbeitetes gerecht zu Verteilen, dann wird die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinandergehen. Den besten Ansatz diese Gier und Grabschen abzuändern zeigt nur die Linke mit der Sozalistischen Demokratie auf. Ich spreche hier nicht von DDR Diktatur. So langsam müssen doch die Menschen merken das es nicht so weiter gehen kann, das uns das kapital ausblutet. Es soll verdammt Millionäre und auch Milladäre geben, aber es kann nicht sein das ein einzelner Arbeiter der für ein Unternehmen arbeitet egal welches, Im Jahr Millionen verdient und unter ihn die schaffenden Arbeiter billig abgespeist werden. Wenn die Politik in den nächsten Jahren nicht handelt, dann gute Nacht

20.05.2012
14:06
#5 Originelle Idee
von meigustu | #36

nur wem ist damit geholfen ?

Was wir brauchen sind Politiker, die endlich den Mut aufbringen die Abwärtsspirale zu stoppen. Breitenwohlstand lässt sich durch Lohnsenkungen nicht erreichen.

19.05.2012
22:23
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von Klug99 | #35

Mein Gott, die brauchen doch nur geringere Löhne vereinbaren, welche mit England, Spanien und Polen konkurrenzfähig sind! Nur die Herrschaften haben dazu keine Lust! Also was soll der Unsinn!

19.05.2012
20:12
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von festus04 | #34

Auch für die Politik ist der Drops gelutscht. 2014 gehwn in Bochum bei Opel die Lichter aus. Und wenn jetzt noch die Politik hoffnung gibt, dann verstehe ich nichts mehr.

19.05.2012
19:58
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von Herbert57 | #33

Jammern nützt gar nichts.
Da muß ein Ruck durch die Opelaner gehen,die müssen die Ärmel hochkrämpeln.
Konstrukteure und Ingenieure müssen endlich ein neues Auto bauen,
daß sich viele wieder leisten können.
Qualitativ hochwertig ,flexiebel im Innenraum,alltagstauglich,mit modernen Motoren und wenig
Verbrauch,für unter 10000 Euro.
Auf so ein Auto warten die Deutschen schon lange,aber es passiert nichts.
In Deutschland sind Neuwagen Weltweit am teuersten
Von der Politik kann Opel nichts erwarten.Die Politik ist Schuld daran,daß
sich immer weniger Menschen in Deutschland noch Autofahren leisten können.
Die Wucherpreise für Benzin,Diesel,Strom,Gas sind der Wahnsinn!
Wenn jetzt nicht gegengesteuert wird ,hat Opel fertig.
Die falsche Modellpolitik wie Insignia und Ampera laufen am Markt vorbei,
Opel muß zurück zu seinen Wurzeln.

1 Antwort
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von Klug99 | #33-1

Damit es auch der Letzte versteht: Auch eine solche Entwicklung würde nicht bei Opel gebaut!
Erst wenn GM vergleich Geld wie in der Auslandsproduktion verdient, hat Opel bzw. Bochum überhaupt eine Chance. Also Löhne runter!

19.05.2012
14:22
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von GermanRobinHood | #32

Es ist doch einfach lächerlich und hirnrissig die Politik verantwortlich zu machen. Wo bleibt eigentlich die Kollegialität der Gewerkschaftsmitglieder, die doch immer arrogant den Zusammenhalt aller Arbeitnehmer predigen. Die sind hier gefordert. Wenn nur 500.000 Gewerkschaftsmitglieder anstatt eines Japaners oder Koreaners einen Opel gekauft hätten, gebe es die Probleme bei Opel nicht. Und die gewerkschaftlich-organisierten Opel-Mitarbeiter wären jetzt nicht in Bedrängnis. Aber so ist es mit dem einzelnen Gwerkschaftsmitglied schon immer gewesen. Er ist und bleibt ein Egoist und was seinem Kollegen passiert interessiert ihn einen Dreck. Wo bleibt die Solidarität? Zehntausende Gewerkschaftsmitglieder müssten am Wochenende solidarisch auf die Strasse. Am Wochenende? Ach geht ja ncht. Da haben die Herren Gwerkschaftsmitglieder ja schon etwas vor. Und außerdem sollen die Opel-Kollegen doch zusehen wie sie zurecht kommen. Erbärmliche gewerkschaftliche Egoisten. Pfui Deibel.

19.05.2012
13:31
Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von festus04 | #31

Die etablierten Parteien, ob Schwarz/Gelb oder Rot/Grün tun schon seit Wochen und Jahren nichts mehr für die Bürger. eskom hat es richtig dargestellt, immer wieder werden diese Parteien das Zepter so schwingen, wie es der Bürger zulässt. In NRW ist man froh, dass man nun im Parlament Ruhe vor der Linken hat, die lachen sich doch einst ins Fäustchen. Vor den Piraten haben die doch keine Manschetten, weil diese Partei genug damit zu tun hat, um sich selbst zu kümmern. Da ist nichts, die können nichts und da kommt nichts. Die Linken haben wenigsten noch etwas bewegt, zum Beispiel die Abschaffung der Studiengebühren und der ständige Kampf gegen Prekäre Arbeitplatzbedingungen.
Sie haben doch die etablierten Parteien in die Ecke gezwungwn etwas zu unternehemen. Jetzt aber haben diese Politiker Ruhe und hören sich wieder das Stammtischgerede an, dass ihnen aber am A...... vorbeigeht.
Der Stärkungspakt den viele Städte beigetreten sind, wird den Bürgern noch die Augen öffnen. Es wird Grausam.

19.05.2012
10:22
Politiker/Innen können (dürfen) nicht wirtschaftlich und sozial denken und handel...
von eksom | #30

Sie sind Marionetten der Banken, der Hedge-Fonds und der Konzerne!

Wer immer wieder die gleichen Politiker/Innen wählt, sollte also schön den Mund halten und sich mit seinem Schicksal abfinden, oder alles selbst in die Hand nehmen. Seit AGENDA 2010 des Herrn GAZPROM-SCHRÖDER (SPD) werden Abfindungen besteuert und auch bei ALG angerechnet!


2 Antworten
Seit AGENDA 2010 des Herrn GAZPROM-SCHRÖDER (SPD
von Gaul | #30-1

zu stimmung kam auch von seiten der cdu/csu und fdp.

Drohendes Aus für Opel Bochum ruft die Politik auf den Plan
von xxyz | #30-2

Einkommen ist Einkommen. Natürlich muss das besteuert und angerechnet werden.
Die vielen Ausnahmen machen doch unser System kaputt.,

19.05.2012
09:24
Politiker und IHK die heulen wie die Kojoten
von meigustu | #29

ob der großen Ungerechtigkeit gehören aus dem Land gejagt. Auch ein steuerfinanzierter Sozialplan ist nicht das was die Region wirklich haben will.

Was wir wollen ist das die gesellschaftlichen Eliten ihren westlichen Tunnelblick aufgeben und neue Investoren dort suchen, wo fähige Manager ihren Job machen. In Russland und Arabien ist Geld das eine Anlage sucht. In Fernost gibt es etliche neue Autokonzerne denen eine Eintrittskarte in das Referenzland für Autos - Deutschland fehlt. In Rüsselsheim fliegen ebensoviele Konstrukteure wie Malocher in Bochum.

Aber unseren "Eliten" fällt nichts anders ein als heulend in der Ecke zustehen und über die eigene Unfähigkeit zu jammern.

Und wenn tatsächlich keiner dieser Konzerne kommen will, kann man immer noch mit den Automobilzuliefern zusammen ein Doityourseff-Auto konstruieren, dessen Basis in Bochum gefertigt wird und das mit individuellen Aufbauten die Kunden in aller Welt bedient, dem Null-acht-fünfzehn nicht mehr gut genug ist.

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