Drei Tote bei Sturm auf US-Botschaft in Tunesien

Ein Demonstrant zündet eine deutsche Fahne an.
Ein Demonstrant zündet eine deutsche Fahne an.
Foto: AFP Photo / Ashraf Shazly
Aus Protest gegen einen islamfeindlichen US-Film ist die deutsche Botschaft im Sudan von Demonstranten in Brand gesteckt worden. Zuvor hatten Demonstranten die deutsche Flagge entfernt und eine islamistische Fahne gehisst. In Tunesien wurde die US-Botschaft angegriffen, dabei starben drei Menschen.

Khartum.. Vor dem Hintergrund der Proteste in der muslimischen Welt gegen einen islamfeindlichen US-Film ist die deutsche Botschaft im Sudan in Brand gesteckt worden. Einige von rund 5000 Demonstranten rissen auf dem Gebäude in Khartum am Freitag zudem die deutsche Flagge herunter und hissten eine islamistische Fahne, wie ein AFP-Reporter berichtete. Laut Bundesregierung wurden keine Mitarbeiter der Vertretung verletzt.

Bei dem Sturm der US-Botschaft in der tunesischen Hauptstadt sind mindestens drei Menschen getötet worden. Mindestens 28 Menschen seien zudem verletzt worden, als Demonstranten aus Wut über einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film die Vertretung in Tunis angriffen, meldete die Nachrichtenagentur TAP unter Berufung auf vorläufige Angaben des Gesundheitsministeriums. Die gewaltsamen Proteste gegen den Film "Die Unschuld der Muslime" hatten am Dienstag begonnen.

Um die Feuerwehr von dem brennenden Botschaftsgelände fernzuhalten, blockierten die Demonstranten die Zufahrtsstraßen. Die sudanesische Polizei setzte Tränengas gegen die aufgebrachte Menge ein. Auch die nahe gelegene britische Botschaft in Khartum wurde am Freitag angegriffen. Danach versuchten etwa 10.000 Demonstranten, zur US-Botschaft vorzudringen. Die Sicherheitskräfte setzten erneut Tränengas ein, wie ein AFP-Reporter berichtete. Ein massives Sicherheitsaufgebot riegelte die Zufahrtsstraße zu der Botschaft ab. Ein Demonstrant starb, als ein Polizeifahrzeug ihn überfuhr.

USA entsenden Spezialeinheit der Marineinfanterie in den Jemen

Die USA haben angesichts antiwestlicher Proteste im Nahen Osten eine Spezialeinheit der US-Marineinfanterie in den Jemen entsandt. Die 50 Soldaten des Antiterrorkommandos kam laut Pentagon am Freitag in der Hauptstadt Sanaa an, wo sie die Sicherheit der dortigen US-Botschaft gewährleisten sollten.

Westerwelle: Botschaft "teilweise in Flammen"

Die deutsche Botschaft sei gestürmt und "teilweise in Flammen gesetzt worden", sagte Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) am Nachmittag in Berlin. "Aber es ist glücklicherweise kein Personenschaden entstanden." Die Mitarbeiter seien in Sicherheit. Er habe am Nachmittag mit dem deutschen Botschafter im Sudan telefoniert.

Westerwelle verurteilte den Angriff "auf das Schärfste". Er verstehe "die Empörung in der islamischen Welt über dieses anti-islamische Hassvideo" und verurteile es "mit allem Nachdruck", sagte der Minister. Es sei aber "keine Rechtfertigung für Gewalt", "für die Erstürmung von Botschaften", "für die Gefährdung von Leib und Leben, für die Tötung von Menschen".

Sudanesischer Botschafter in Sicherheit

Westerwelle verlangte von der sudanesischen Regierung "die sofortige Wiederherstellung der Integrität und der vollen Sicherheit des Botschaftsgeländes". Die Bundesregierung hatte offenbar konkrete Hinweise auf drohende Übergriffe im Sudan. Der sudanesische Botschafter in Berlin wurde laut Westerwelle bereits am Morgen ins Auswärtige Amt einbestellt - als einziger Botschafter aus von Protesten betroffenen Ländern.

Das Auswärtige Amt warnte auf seiner Website vor einem weiteren Aufruf islamistischer Gruppen zu einer Demonstration am Sonntag vor der deutschen Botschaft. Angesichts der gewalttätigen Proteste gegen den islamfeindlichen US-Film "Unschuld der Muslime" hatte die Bundesregierung am Freitag die Sicherheitsvorkehrungen an deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern verschärft.

Am Dienstag waren bei der Erstürmung des US-Konsulats im libyschen Bengasi der US-Botschafter Chris Stevens und drei seiner Mitarbeiter getötet worden, auch libysche Sicherheitskräfte starben. Die Proteste hatten sich auf weitere muslimische Länder ausgedehnt, nach den Freitagsgebeten fanden in mehreren muslimischen Ländern Protestkundgebungen statt.

Deutsche Auslandsvertretungen waren schon in der Vergangenheit Ziel von Angriffen geworden. Am 22. August hatte ein Ägypter einen Brandanschlag auf die deutsche Botschaft in Kairo verübt, wobei Sachschaden entstanden war. Der Mann wollte laut den ägyptischen Behörden mit der Tat gegen "Beleidigungen" des Propheten Mohammed in Deutschland protestieren. Kurz zuvor hatte die rechte Gruppierung Pro Deutschland in Berlin vor Moscheen eine Serie von islamfeindlichen Veranstaltungen abgehalten und dabei auch Mohammed-Karikaturen gezeigt.

Friedrich: Keine Hinweise auf gesteigerte Anschlagsgefahr

Nach der Gewalt gegen westliche Botschaften in der islamischen Welt hat Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) davor gewarnt, durch Verbreitung des "unsäglichen" Anti-Islam-Videos Islamisten auch noch in Deutschland zu provozieren. Der "Leipziger Volkszeitung" sagte Friedrich zugleich, es gebe momentan für die Bundesrepublik "keine konkreten Hinweise auf eine gesteigerte Anschlagsgefahr". Allerdings herrsche "erhöhte Wachsamkeit und gesteigerte Aufmerksamkeit bei Behörden und Bürgern".

Friedrich kündigte entschlossene Maßnahmen des Staates gegen Propagandisten des Mohammed-Films in Deutschland an. "Gruppen und Organisationen, die die Islamisten auch in Deutschland provozieren wollen, indem sie beispielsweise diesen unsäglichen Mohammed-Film verbreiten wollen, müssen wissen, dass sie grob fahrlässig Öl ins Feuer gießen. Deswegen muss man dem auch Einhalt gebieten." (dapd/afp)

 
 

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