Donnerstag soll fleischfrei werden

Düsseldorf..  Die Skandale um Pferdefleisch, „falsche“ Bio-Eier und giftigen Futtermais verunsichern Verbraucher. Wie gestern bekannt wurde, sind fast 4500 Betriebe mit verseuchtem Mais beliefert worden. Ernährungswissenschaftler, Verbraucherschützer und Politiker sind alarmiert. Sie raten Bürgern, weniger Fleisch zu essen. Fleischfreie Tage seien gut für die Gesundheit und helfe gegen Massentierhaltung. Dutzende Städte, darunter Dinslaken, unterstützen die Vegetarier-Initiative „Donnerstag ist Veggie-Tag“.

„Ein vegetarischer Tag in der Woche wäre hervorragend“, sagt Christiane Kunzel (Verbraucherzentrale NRW). „Jeden Tag Fleisch ist viel zu viel. Die Folgen sind Übergewicht und hohe Cholesterin-Werte.“ Norwich Rüße, Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion für Ernährung, sagt: „Für alle, die viel Fleisch essen, wäre ein fleischfreier Tag in der Woche gesünder. Verzicht bedeutet einen Gewinn für die Gesundheit und die Umwelt.“ Der fleischfreie Tag müsse aber freiwillig sein. Rüße: „Wer das von oben verordnen will, erreicht das Gegenteil: eine Trotzreaktion.“

Gisela Olias (Deutsches Institut für Ernährungsforschung) warnt: Viel rotes Fleisch erhöhe das Risiko für Darmkrebs, Herzkreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Gicht. Fleisch solle maßvoll genossen werden. Olias empfiehlt „300 bis 600 Gramm pro Woche.“

Die Ernährungswissenschaftlerin Ursel Wahrburg (FH Münster) warnt davor, Fleisch völlig zu ächten: „Es enthält Eiweiß, Eisen, Zink, Vitamine und andere wertvolle Inhaltsstoffe. Problematischer sind die oft sehr fetthaltigen Wurst- und Fleischwaren. Würde die Bevölkerung auf Wurst verzichten, dann gäbe es keine Mangelerscheinungen.“

89 Kilo Fleisch verbrauchen die Deutschen pro Kopf und Jahr, verzehrt werden nur 61 Kilo – der Rest landet im Müll. Damit essen die Deutschen doppelt so viel Fleisch wie vor 100 Jahren, ergab der „Fleischatlas“ des BUND. Bei jedem Skandal bricht der Fleischkonsum kurzfristig ein. Ob Schweinepest, BSE, Vogelgrippe, Gammelfleisch oder Gift-Futter – stets reagiert der Verbraucher mit Verzicht.

Dennoch behauptet Schweinefleisch einen Spitzenplatz, der Konsum schwankt um die 40-Kilo-Marke pro Kopf, ergab der Report „Fleischversorgung in Deutschland“, der auch ein stark erschüttertes Vertrauen der Verbraucher ins Fleisch feststellte.

 
 

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