Donald Trump: Polit-Experte überzeugt – nur mit diesen fiesen Tricks kann der US-Präsident noch gewinnen

Donald Trump kämpft um seine Wiederwahl zum US-Präsident.
Donald Trump kämpft um seine Wiederwahl zum US-Präsident.
Foto: imago images

Am kommenden Dienstag ist der Tag der Entscheidung für Donald Trump und Joe Biden. Dann wird klar, wer in den nächsten vier Jahren Präsident der USA sein wird.

Yussi Pick ist derzeit ein gefragter Mann. Schließlich weiß der Kommunikationsberater wie kaum jemand, wie der US-Wahlkampf abläuft. 2016 erlebte der in Wien lebende Politikberater Hillary Clintons Kampagne in der Wahlkampfzentrale in New York hautnah. Dort arbeitete er im „Digital Organizing Team“ für die Demokratin.

Donald Trump: Kampagnen-Experte sieht Trump noch nicht geschlagen

Die Wahl 2020 wird Pick von Österreich aus verfolgen. Wir haben mit dem 38-Jährigen über seine Erfahrungen im Clinton-Wahlkampf, den Endspurt und die fiesen Wahlkampf-Tricks von Donald Trump gesprochen.

Herr Pick, nahezu alle Prognosen sehen Joe Biden vorne. Ist die Wahl schon eine gmahde Wiesn, wie der Österreicher sagt?

Überhaupt nicht. Es gibt zwei Punkte zu beachten: erstmal sind alle extrem vorsichtig, weil die Umfragen 2016 so falsch gelegen haben. Das Narrativ aus 2016 stimmt eigentlich nicht. Die Umfragen bundesweit haben gestimmt. Hilary Clinton war in den Umfragen immer zwei Prozentpunkte vorne und hat auch mit drei Millionen Stimmen Vorsprung gewonnen. Das Problem waren nicht die bundesweiten, sondern die Umfragen in den Bundesstaaten, wo es durch den Brief von James Comey (Anm. d. Red.: der FBI-Boss hatte dem US-Kongress angekündigt, in Clintons E-Mail-Affäre neue Ermittlungen aufzunehmen) zehn Tage vor der Wahl zu einer Verschiebung vor allem in Wisconsin und Pennsylvania kam.

Und was man nicht vergessen darf: es gibt jetzt schon viel Enthusiasmus auf demokratischer Seite. Viele wählen „early“ oder per Brief. Aber Republikaner wählen am Wahltag. Natürlich schaut es ganz gut aus für Joe Biden – sowohl in den Umfragen als auch was die Zahlen derjenigen, die schon abgestimmt haben, angeht. Aber die Republikaner haben noch Zeit aufzuholen. Und das versuchen sie durch unterschiedliche Methoden wie Propaganda und Wähler-Demobilisierung.

Was müsste denn passieren, dass eine ähnliche Überraschung wie 2016 passiert und Trump entgegen aller Vorhersagen doch noch gewinnt?

Einerseits die sogenannten „Soft-Biden-Voters“, also die Wähler, die von Biden nicht so ganz überzeugt sind und nicht seit vier Jahren drauf warten, einen Demokraten wählen - die müssten noch abspringen. Das sind tendenziell auch Menschen, die nicht früh wählen, sondern sich Zeit lassen und das in der Wahlkabine entscheiden. Die versucht Trump etwa durch die Propaganda mit dem Laptop von Hunter Biden (Anm. d. Red. Bidens Sohn) zu gewinnen, um die er Verschwörungstheorien spinnt.

Eine zweite Möglichkeit für Trump ist es Stimmen zu demobilisieren, mit dem Ziel der Wahlbeteiligungssenkung. Das war schon 2016 ein Mittel. Damals war ich im Clinton-Wahlkampf im Team „Voter Protection“. Wir haben uns angeschaut, was passiert in diversen Foren, zum Beispiel in 4chan, was wird da von Trump-Seite geplant. Zwei Sachen haben wir bemerkt und versucht zu verhindern. Eine Botschaft war dort: man kann jetzt auch per SMS wählen, was natürlich nicht stimmte - und zwar im selben Stil wie das SMS-Wahlwerbe-Programm der Clinton-Kampagne.

Und die zweite Sache war doppelt gemein, weil es so ehrlich daher kommt. Die Botschaft hier: ‚Passt auf ihr Latinos‘, vor den Wahllokalen stehen oft Abschiebebeamte, die belästigen euch, wenn ihr ein bisschen braun ausschaut. Das sollte auch zur Wahldemobilisierung beitragen. Das sind zwei Möglichkeiten, wie Trump noch gewinnen kann. Trump kann nicht dadurch gewinnen, irgendwen davon zu überzeugen, dass er der beste Präsident ist. Das ist gegessen!

Rechnen Sie noch mit einem Game Changer, der kurz vor der Wahl nochmal alles auf den Kopf stellt?

Trump probiert es schon sehr lange mit der Hunter Biden-Geschichte. Das funktioniert nicht so ganz. Ich bin mir nicht sicher, ob sie noch einen Köcher haben, den sie noch nicht verschossen haben. Der müsste aber heute oder morgen kommen, sonst wird es ein bisschen spät. Twitter ist zwar schnell, aber es braucht ein paar Tage bis solche Nachrichten zu normalen Menschen durchsickern.

Donald Trump hat jüngst höchstpersönlich ein Bild gepostet, wie Joe Biden im Rollstuhl unter Senioren sitzt. Hinweis: „Joe for Resident“. „Negative Campaigning“ kommt in den USA häufig zum Einsatz. In Deutschland oder Österreich in diesem Ausmaß unvorstellbar, oder?

Naja, es gab das in Österreich bei der Stichwahl zur Bundespräsidentschaft zwischen Alexander Van der Bellen (Grüne) und Norbert Hofer (FPÖ). Damals hat Strache, der Vorsitzender der FPÖ war, ein Foto gepostet, auf dem Van der Bellen so beleuchtet war, dass es ausschaut, als hätte er nur die Hälfte seines Gesichts rasiert. Und er hat dazu sinngemäß geschrieben, dass der alte Mann vergessen hat, sich auf der anderen Seite zu rasieren. Das ist Populisten-Niveau, durchaus das Trump-Niveau.

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Aber grundsätzlich gibt es Dirty-Campaigning immer. Was natürlich neu ist, dass es direkt von dem Kandidaten kommt. Und noch schlimmer direkt aus dem Weißen Haus. Ich war diese Woche auf einer Podiumsdiskussion mit dem amerikanischen Botschafter in Österreich, der tatsächlich über die Verschwörungstheorien mit Hunter Biden und seinem Laptop anfing zu sprechen. Selbst Menschen in Administrationspositionen verwenden Kampagnen-Talking-Points, das ist unerhört. Das hat es vorher noch nie gegeben.

Kann es denn für die Republikaner wieder ein „vor Trump“ geben, die Partei wieder moderater werden?

Donald Trump hat die republikanische Partei nach seinem Abbild umgebaut. Viele sehr konservative Republikaner sind nicht mehr angetreten. Ein Eric Cantor ist von einem rechteren Kandidaten abgewählt worden, ein Paul Ryan hat sich zurückgezogen. Ein John Boehner, der unter Obama der Repräsentant der „Tea Party“ war, schon sehr rechts, hat sich aus der Politik zurückgezogen und sie alle haben Trumpisten Platz gemacht. Die republikanische Partei ist da schon nochmal wesentlich nach rechts gerutscht. Joe Biden hat bei den Vorwahlen – meiner Beobachtung nach mehr als jetzt – gesagt, wir müssen wieder mehr den Arm in Richtung Republikaner ausstrecken, was Obama 2008 stark versucht hat. Aber das ist vorbei. Das muss die Demokratische Partei erkennen.

Sie waren 2016 in der Clinton-Kampagne hautnah dabei. Hätte Hilary Clinton eine US-Wahl 2020 gewonnen?

Hilary Clinton war eine denkbar schlechte Kandidatin. Sie wäre natürlich die bessere Präsidentin gewesen. Das steht außer Frage. Alles, was sie vor vier Jahren über die Amtszeit von Donald Trump vorhergesagt hat, ist eingetreten. Während sie belächelt worden ist. Sie war 2016 und wäre jetzt eine nicht erfolgsversprechende Kandidatin, auch weil sie eine Frau ist. Das darf man auf keinen Fall außer Acht lassen.

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Aber vor allem, weil sie Projektionsfläche war für extrem viele Verschwörungstheorien. Beispiel: Es gab einen engen Berater, der sich erschossen hat. Und den Clintons wurde schon in den 90er Jahren vorgeworfen, dass sie den Mann eigenhändig erschossen hätten. Die Verschwörungstheorien fingen also nicht mit Donald Trump an, sondern sie gibt es schon lange. Clinton war lange Projektionsfläche dafür. Daher glaube ich nicht, dass sie dieses Jahr so viel besser abgeschnitten hätte. Auf der anderen Seite hätte sie nach vier Jahren Donald Trump wohl nur gut abschneiden können.

Zum Abschluss die Frage nach einer Prognose. Wer gewinnt? Trump oder Biden?

Eine Prognose wage ich nicht. Die Umfragen sehen für Biden gut aus, sind aber in den letzten Tagen auch enger geworden. Das war zu erwarten. Jetzt kommt es auf die letzte Mobilisierung an. Am Freitag fängt die sogenannte „GOTV-Phase“ (Get out the Vote) an. Es gibt ja noch immer Bundesstaaten, in denen „early Voting“ nicht geht, sondern nur am 3. November gewählt wird. Da kann noch sehr viel passieren.

 
 

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