Die Zahl der Salafisten in NRW hat sich verdreifacht

Wilfried Goebels

Düsseldorf. Radikale Salafisten verzeichnen in NRW einen dramatischen Zulauf. Nach Erkenntnissen des NRW-Verfassungsschutzes hat sich die Zahl der Islamisten seit 2010 auf 1500 Anhänger verdreifacht. „Wir rechnen dabei jeden Zehnten zum gewaltbereiten Salafismus“, sagte Innenminister Jäger (SPD) bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichts 2012. Der versuchte Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof und der vereitelte Anschlag auf einen Chef der rechtsextremen Partei „Pro NRW“ haben aus Sicht Jägers gezeigt, dass auch NRW im Fadenkreuz des islamischen Terrorismus steht. Es besteht der Verdacht, dass es eine Verbindung zwischen den Taten gebe. Vier Verdächtige waren festgenommen worden.

Schwerpunkte der Salafisten sind das Ruhrgebiet und die Regionen Aachen, Bonn, Köln und Solingen. Der Verfassungsschutz beobachtet von den landesweit 830 Moscheen rund 20 bis 30, in denen offenbar Hassprediger aktiv sind. Sorgen bereitet den Sicherheitsbehörden die wachsende Zahl junger Salafisten, die ins Ausland reisen, um den bewaffneten Kampf von islamistischen Milizen vor allem in Syrien, Afrika, Pakistan oder Afghanistan zu unterstützen. 2012 wurden 40 Fälle bekannt – auch 2013 zählten die Behörden schon 20 Ausreisen. In sieben Fällen konnte durch Passentzug eine Ausreise verhindert werden. „Die Rückkehrer aus Kampfgebieten stellen ein besonderes Sicherheitsrisiko da“, mahnte Jäger. Die in ihrem Umfeld als Helden verehrten Männer seien an Waffen ausgebildet und trügen zur Radikalisierung von Anhängern bei.

Mit dem Aussteigerprogramm „Wegweiser“ soll ein weiteres Abdriften junger Fanatiker in die gewaltbereite Szene verhindert werden. Ein Netz aus Moscheevereinen, Imamen, Sozialämtern, Beratungsstellen und Schulen soll die häufig im Schwarz-Weiß-Denken verhafteten jungen Männer überzeugen, dass Gewalt nicht zum Islam gehört. Nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer lebt in Deutschland inzwischen jeder vierte Salafist in NRW. Mindestens 50 Prozent haben die deutsche Staatsangehörigkeit; sie sprechen in der Regel Deutsch.