Die verquere Sicht von Assads Ehefrau Asma auf die Welt

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad und seine Frau Asma im März 2016.
Der syrische Machthaber Baschar al-Assad und seine Frau Asma im März 2016.
Foto: dpa
In einem TV-Interview präsentiert die Frau des syrischen Machthabers Assad ein Syrien, das nicht existiert. Eine absurde Vorstellung.

Moskau/Damaskus.. Der Krieg in Syrien dauert nun schon seit mehr als fünf Jahren an. Bisher hat sich Syriens First Lady Asma al-Assad bedeckt gehalten über das, was in ihrem Land passiert. Nun hat sie sich in einem Interview mit dem russischen TV-Sender Russia 24 erstmals seit Kriegsbeginn im Frühjahr 2011 zur Lage in ihrem Land geäußert – und zeigt eine einseitige und verquere Sicht auf die Welt.

Das Interview wurde auf dem YouTube Kanal des syrischen Regimes hochgeladen. In dem 33-minütigen Gespräch mit einer vollkommen unkritischen russischen TV-Journalistin verteidigt Asma al-Assad, eine frühere Investmentbankerin, die Politik ihres Mannes, stellt ihn als guten Familienvater dar und wirbt für ihr wirtschaftliches und soziales Engagement im Land. Eine absurde Vorstellung der syrischen First Lady angesichts der dramatischen Zustände in ihrem Land.

„Er ist ein guter Vater“

Ihr Mann, mit dem sie seit 16 Jahren verheiratet ist, sei ein guter Vater, „ein sehr uneigennütziger Mensch“, sagt sie über Syriens Machthaber, der in der Welt und auch in Syrien selbst für sein grausames Handeln bekannt ist. Der Krieg habe ihn auch nicht verändert, er sei immer noch ein ruhiger Mensch, sagt sie, sehr bedacht, höflich und man könne mit ihm über alles reden. Nur sei die Verantwortung, die auf ihm laste, nun eben größer.

Die Realität und das Bild ihres Mannes in der Welt sieht anders aus. Baschar al-Assad lässt die syrische Armee auch gegen das eigene Volk vorgehen, teilweise mit chemischen Waffen und Fassbomben. Untersuchungen der Vereinten Nationen und auch von Menschenrechtsorganisationen wie etwa Amnesty International belegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Millionen Syrer fliehen – die Assads wollen bleiben

Der Krieg hat bereits Hunderttausende das Leben gekostet, Opfer sind vor allem Kinder. Dass Millionen Syrer seit Beginn des Krieges aus dem Land geflohen sind, belegt die katastrophale humanitäre Lage und das Fehlen jeglicher Sicherheit in weiten Teilen des Landes. Die Folge ist eine noch nie dagewesene Flüchtlingsbewegung im Mittleren Osten und auch in Europa.

Sie selbst wolle nicht aus dem Land fliehen, sagt Asma al-Assad in dem Interview. Sie habe mehrere Angebote zur Flucht abgelehnt. „Das war ein Versuch, den Glauben der Menschen in ihren Präsidenten zu erschüttern“, sagt sie zur Begründung. Eine absurde und realitätsferne Argumentation. Fehlendes Vertrauen in die politische Lage im Land als Fluchtgrund anzuführen entbehrt angesichts der dramatischen Sicherheitslage jeglicher Grundlage.

Dank an Russland, Kritik an den USA

Asma al-Assad dankt in dem Gespräch vor allem den Verbündeten Syriens für ihre Hilfe. „Die Situation hätte ohne wahre Freunde Syriens weitaus schlimmer sein können“, sagt sie und bezieht sich auf die Sanktionen des Westens, die das Land geschwächt hätten. Die „edle und großzügige“ Unterstützung Russlands sei eine riesige Hilfe – sowohl auf humanitärer als auch wirtschaftlicher Ebene.

Auch hier liegen ihre Sicht und die Realität weit auseinander. Russland unterstützt den syrischen Machthaber durch Luftangriffe. Dabei sterben immer wieder vor allem Zivilisten. Nach russischer Darstellung gelten die Angriffe Terroristen – Deutschland und andere westliche Staaten werfen Putins Regierung vor, durch die Unterstützung Assads selbst Gräueltaten am syrischen Volk zu begehen.

Die humanitäre Lage der Menschen in Aleppo verschlechtert sich durch syrische und russische Luftangriffe immer weiter. Neue Sanktionen des Westens gegen die russische Regierung liegen seit einigen Tagen wieder auf dem Tisch.

Bild einer bescheidenen First Lady

Die Tochter syrischer Eltern, in London geboren, zeichnet ein Bild von Syrien, das die dramatische Lage völlig verkennt. Sie erzählt von wirtschaftlichen Initiativen, die sie unterstützt, um Bürgern in Syrien zu helfen erfolgreich zu sein. Vor allem lägen ihr die Kinder am Herzen. So kümmere sie sich vor allem um Familien, die vom Krieg betroffen seien. Westlichen Medien wirft sie vor, tote Flüchtlingskinder wie etwa den ertrunkenen Aylan, dazu zu benutzen, ein falsches Bild von Syrien in der Welt zu festigen. Über Massaker, die Terroristen in Syrien begehen würden, würde hingegen keiner berichten. Auch dabei würden Kinder sterben, sagt sie.

Dabei sei ihre eigene Familie nicht weniger betroffen vom Krieg als andere Familien in Syrien. Eine zynische Bemerkung, wenn man etwa den Sicherheitsapparat der Präsidentenfamilie mit der Schutzlosigkeit der Menschen in Aleppo vergleicht.

Es klingt zu harmlos, was sie erzählt. Kritische Nachfragen der russischen TV-Journalistin, die mehr Fan als unabhängige Journalistin zu sein scheint, bleiben aus. Asma al-Assad kann sich als bescheidene, kümmernde Frau an der Spitze Syriens präsentieren, der nach eigenen Angaben nichts mehr am Herzen liegt, als das Wohl und die Entwicklung der Menschen im Land. Eine bittere Botschaft.

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