„Die Rente kommt in Berlin zu kurz“

Düsseldorf/Schwerte.. Senioren-Union und Rentenberater schlagen Alarm: Sie fürchten, dass die Themen „Rente“ und „Altersarmut“ bei den Koalitionsverhandlungen zu kurz kommen. Es sei unklug, dass in den Arbeitsgruppen zur Rente kein einziges Mitglied der Senioren-Union vertreten sei, sagte deren Vorsitzender Otto Wulff unserer Zeitung. Die Präsidentin des Bundesverbandes der Rentenberater, Marina Herbrich, kritisierte, dass die Programme von CDU/CSU und SPD keinen Schutz vor Altersarmut bieten würden.

Nach Angaben Herbrichs verfügen heute 42 Prozent der Geringverdiener über keine private oder betriebliche Vorsorge – zwei Drittel davon sind Frauen. Nach den Rentenmodellen der beiden großen Parteien müssten Geringverdiener aber kapitalgedeckte Zusatzversicherungen abschließen, um eine Mindestrente zu bekommen. „Das sind zusätzliche Aufgaben, die sich Geringverdiener nicht leisten können“, klagte Herbrich.

Wulff warnte die Unterhändler im Bund davor, „die Rente aus dem Auge zu verlieren“. Ein Arbeitnehmer, der ein Leben lang gearbeitet und Beiträge gezahlt habe, müsse seinen Lebensunterhalt ohne Leistungen der Sozialhilfe sichern können. Viele Rentner könnten sich keine Zusatzversicherungen leisten, sagte Wulff.

Der Verband der Rentenberater beklagte, dass aufgrund gesetzlicher Bestimmungen und der Verlagerung in Richtung privater Vorsorge schon heute viele Rentner unterhalb der Armutsgrenze lebten. „Das werden in den kommenden zehn Jahren noch deutlich mehr werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter nachrücken“, so Herbrich. Bereits 2012 lebte fast eine halbe Million Menschen im Rentenalter von Grundsicherung. Der Bundesverband der Rentenberater setzt sich für einen Ausbau und die bessere Förderung der gesetzlichen Rente und der betrieblichen Altersversorgung ein.

Senioren-Union und Rentenberater pochten auf eine Rentenreform zur Bekämpfung der Altersarmut. Die vorliegenden Konzepte von CDU/CSU und SPD für private Zusatzversicherungen nützten aber „vor allem der privaten Versicherungswirtschaft“, kritisierte Herbrich. Nur die Stärkung der gesetzlichen und betrieblichen Altersversorgung aber könne den Menschen „das Vertrauen in die Rente wiedergeben“.

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