Die Post will persönlicher werden

An Rhein und Ruhr.  Die Deutsche Post plant ein neues Aufgabenfeld für ihre Briefzusteller. Ab dem 1. Juli soll in Mülheim und Gelsenkirchen der Service „Post Persönlich“ eingeführt werden. Das Pilotprojekt ist vorerst auf sechs Monate angelegt. Das Neue: Postboten sollen für etwa 40 Euro auch soziale Dienste leisten. „Postboten haben schon jetzt engen Kontakt zu den Kunden, das wollen wir nutzen“, sagte ein Postsprecher der NRZ. Zielgruppe sind vor allem ältere Menschen, die sich selbst versorgen, aber „ein Stück mehr Sicherheit in ihrem Umfeld wünschen“. Das Konzept: Briefzusteller sollen auf ihrer gewohnten Runde künftig bei den „Post Persönlich“-Kunden klingeln, selbst wenn sie dort keine Post abzuliefern haben. Sie sollen Kunden „in Augenschein nehmen“ und wenn nötig „direkte Hilfe“ organisieren. Dazu kooperiert die Deutsche Post mit der Johanniter- Unfall-Hilfe, dem nach eigenen Angaben bundesweit größten Pflegedienstleister. Dort sieht man das Angebot „als sinnvolle Ergänzung zum bisherigen Hausnotruf“.

Bei der Gewerkschaft DPVKIM wertet man das Projekt kritisch: „Wir begrüßen es grundsätzlich, wenn die Post Dienstleistungen anbietet, mit denen sie Geld verdient und Arbeitsplätze sichert“, sagt ein Sprecher. Gleichwohl befürchtet die Gewerkschaft, „dass die zusätzliche Aufgabe die Briefzusteller noch mehr belastet“. Das bezieht sich vor allem auf die engen und „oftmals realitätsfernen Zeitvorgaben“, nach denen Postzusteller ohnehin bereits arbeiten müssen: „Der Zeitansatz für die Hausbesuche ist viel zu knapp.“

Zusätzliches Personal plant die Post für „Post Persönlich“ nicht, mehr Geld erhalten Zusteller, die Kunden betreuen, ebenfalls nicht. Sobald Kunden gewonnen werden, sollen die betreffenden Zusteller geschult werden.

In Sozialverbänden wird das neue Angebot der Post kritisch bewertet. „Es ist keine harmlose Aufgabe zu beurteilen ob jemand Pflege braucht“, sagt etwa Cornelia Harrer, Expertin für Senioren- und Quartiersarbeit beim Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW. Beim Sozialverband Deutschland verweist man auf bestehende ähnliche Angebote, etwa unter dem Dach von Kirchen, Sozialträgern oder der Nachbarschaftshilfe. Bei Pflegediensten ist jedoch zu erfahren, dass Dienstleistungen, wie die Post sie nun anbieten will, öfter nachgefragt würden: „Wir können das allerdings nicht leisten“.

 
 

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