Die Ohnmacht ihrer Polizei hat viele Bürger erschüttert

Blumen vor dem Kölner Hauptbahnhof: Nein, hier ist niemand ums Leben gekommen, aber ein Verlust ist trotzdem zu beklagen: Ein Vertrauensverlust.
Blumen vor dem Kölner Hauptbahnhof: Nein, hier ist niemand ums Leben gekommen, aber ein Verlust ist trotzdem zu beklagen: Ein Vertrauensverlust.
Foto: Maja Hitij
Viele Deutsche verlieren nach den sexuellen Attacken von Köln offenbar den Glauben an den Staat. Verunsicherte Bürger wollen sich selbst verteidigen.

Berlin/Düsseldorf.. Die Deutschen verlieren nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht ihr Vertrauen in den Staat. Die Ohnmacht der Polizei gegenüber den Tätern hinterlässt bei den Menschen das Gefühl: Der Staat kann die Sicherheit seiner Bürger nicht mehr garantieren.

Das zeigt auch eine aktuelle Studie: 30 Prozent der Deutschen wollen nach den Ereignissen von Köln größere Menschenansammlungen meiden, wie eine Umfrage von Infratest Dimap für die ARD ergeben hat. 37 Prozent der Frauen werden demnach in Zukunft Menschenmassen umgehen – bei den Männern sind es 21 Prozent.

Polizei ortet geklaute Handys in Flüchtlingsheimen

An Silvester hatten Gruppen von jungen Männern auf der Domplatte und vor dem Kölner Hauptbahnhof Frauen umzingelt, beklaut, begrapscht. Die Polizei war unterbesetzt. Unter den Tatverdächtigen sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums auch Flüchtlinge: Die Bundespolizei hat bisher 31 namentlich bekannte Verdächtige festgestellt – 18 von ihnen sind Asylbewerber. Mittlerweile sind 170 Anzeigen eingegangen, davon 120 mit sexuellem Hintergrund. Auch in Düsseldorf steigt die Zahl der Strafanzeigen nach sexuellen Belästigungen an Silvester auf 41 Fälle an.

Das ist eine Zäsur. Wurden wichtige Informationen von der Polizei vertuscht und verschwiegen? Jede neue Meldung nährt das diffuse Gefühl, dass der Staat die Lage nicht im Griff hat. Die Kölner Polizei nimmt zwei Verdächtige fest – doch die mutmaßlichen Trickdiebe sind nur ein paar Stunden später wieder frei. Der Tatverdacht gegen die beiden habe sich nicht erhärtet, sagt Staatsanwalt Benedikt Kortz. Bei den 16 und 23 Jahre alten Männern aus Marokko und Tunesien wurden Mobiltelefone sichergestellt. Laut WDR zeigen Videos auf den Handys Ausschreitungen und Übergriffe auf Frauen. Polizei und Staatsanwaltschaft kommentieren das nicht. Auf „Bild.de“ wird ein Zettel gezeigt, der bei den beiden Männern gefunden wurde. Auf diesem stehen Sprüche auf Deutsch und auf Arabisch, unter anderem „Ich will fucken“, „große Brüste“ und „Ich töte sie“. Der „Spiegel“ meldet: Die Polizei konnte einige der in der Silvesternacht gestohlenen Handys orten. In manchen Fällen führten die Spuren in Flüchtlingsheime.

Es wächst der Eindruck, die Flüchtlingsbewegung könnte außer Kontrolle geraten. So könnte die Politik auch das Vertrauen der Menschen verlieren, die der Ankunft der vielen Menschen bisher positiv oder neutral gegenübergestanden haben.

Dabei geht es vor allem um das Versagen der Behörden, nicht um die angebliche Unfähigkeit des einzelnen Polizisten. Diesen Unterschied machen die Deutschen: In der Umfrage von Infratest Dimap gaben 77 Prozent der Befragten an, großes oder sehr großes Vertrauen in die Polizei zu haben.

Nachfrage nach legalen Selbstverteidigungsmitteln steigt

Ein Indikator für das verletzte Sicherheitsgefühl: Die Menschen wollen sich verteidigen. Beliebt sind etwa Pfeffersprays. Beim Onlineversandhändler Amazon rangierten am Freitagnachmittag acht verschiedene Pfeffersprays in der Top Ten der Kategorie „Sport und Freizeit“.

Da sich viele Menschen Sorgen um ihre Sicherheit machen, werden Bürgerwehren gegründet. Keine „Kölner Verhältnisse“ – das ist die Botschaft der Initiative Düsseldorf passt auf. Sie versteht sich als Schutzbündnis von Bürgern für Bürger – und zählt fast 10 000 Mitglieder auf Facebook. Belästigungen von Frauen seien auch in der NRW-Landeshauptstadt „immer wieder der Fall“, heißt es.

Künftig werde man häufiger „durch die Stadt ziehen“ und „mit Präsenz und Gewaltlosigkeit“ klarmachen, „dass so etwas in unserer schönen Stadt absolut nicht toleriert wird“.

EURE FAVORITEN

Weitere interessante Artikel