Die neue alte Garde übernimmt das Ruder

Havanna. Nach dem Rücktritt von Staatschef Fidel Castro sind es vor allem Politiker aus der bisherigen zweiten Reihe, die die Geschicke der Karibikinsel in Zukunft lenken werden.

Die neuen Machthaber:

RAÚL CASTRO: Der Bruder Fidel Castros, der die Amtsgeschäfte bereits nach dessen Erkrankung im Sommer 2006 übernommen hatte, wird wohl auch die Nachfolge an der Staatsspitze antreten. Von dem 76-Jährigen, der unter seinem Bruder Verteidigungsminister ist, wird eine gewisse Öffnung des Landes erwartet.

RICARDO ALARCÓN: Der 70-jährige Akademiker, Diplomat und USA-Spezialist ist seit 1993 Vorsitzender des Parlaments. Er vertrat sein Land unter anderem als Botschafter bei den Vereinten Nationen. Dort machte er sich einen Namen als brillanter und kultivierter Redner, aber auch als scharfzüngiger Polemiker.

CARLOS LAGE: Der 57-jährige Vizepräsident des Staatsrats ist der für Wirtschaft zuständige Sekretär des Ministerrats. Seinen Beruf als Kinderarzt hat er nie ausgeübt. Er gilt als pragmatischer Architekt der Wirtschaftsreformen in der schwierigen Periode der 90er Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Das Mitglied des Politbüros ist unter anderem mit dem Energieprogramm betraut.

FELIPE PÉREZ ROQUE: Der 42-jährige Außenminister ist ein glänzender Rhetoriker. Von der Universität gelangte er unmittelbar ins Zentrum der Macht. Sieben Jahre lang war er persönlicher Sekretär von Comandante Fidel. Außenminister wurde der Ziehsohn des «maximo líder» im Jahr 1999. Der frühere Vorsitzende der Kubanischen Studentenunion (FEU) gilt in der Bevölkerung als getreues Sprachrohr des Staats- und Parteichefs. Weil er Fidels Linie zuverlässig wie ein Faxgerät verbreitet heißt er im Volksmund «Fax». Manche halten ihn für einen schamlosen Opportunisten.

JOSÉ RAMÓN MACHADO: Der 77-jährige Arzt gilt als orthodoxer Vertreter der alten Garde und Castro-Parteigänger der ersten Stunde. Das Politbüromitglied ist für Bildung und Erziehung zuständig.

JOSÉ RAMÓN BALAGUER: Der 75-jährige Arzt und Gesundheitsminister wird ebenfalls zu den so genannten Orthodoxen gezählt. Er gehört zu den Mitbegründern der nach der Revolution von 1959 neu gegründeten Kommunistischen Partei und ist Mitglied des Politbüros.

ESTEBÁN LAZO: Der 63-jährige Vizepräsident des Staatsrats ist ebenfalls Mitglied des Politbüros und wacht über die Ideologie der Partei. Zusammen mit Machado kümmert er sich um Bildungs- und Erziehungsfragen.

FRANCISCO SOBERÓN: Der 63-Jährige ist seit 1995 Zentralbankchef. Er sorgte 2004 dafür, dass alle Einrichtungen in Kuba, die für Leistungen Barzahlungen in US-Dollar annahmen, nur noch die konvertierbare Landeswährung Peso akzeptieren. Das Mitglied des Zentralkomitees gehört der KP seit 1970 an. (afp)

 
 

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