Die Neuauflage der SPD-Troika

Dirk Hautkapp

Berlin. Reihenfolge bedeutet bei der SPD nicht immer Rangfolge. Zwar ging Parteichef Sigmar Gabriel gestern Mittag als erster vor die blaue Wand der Bundespressekon­ferenz, braun gebrannt vom Spanien-Urlaub, aber doch mit sorgenvoller Miene. Ihm folgte der in sich ruhende und sanft lächelnde Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier. Auf den Dritten im Bunde, Peer Steinbrück, Ex-Finanzminister, Hinterbänkler im Bundestag und Hoffnungsträger ­vieler, sollte sich jedoch die größte Aufmerksamkeit richten. Schon wieder. Denn es ging ums Geld.

Gekommen war das rote Trio zum einen, um zu demonstrieren, dass die ­Sozialdemokratie in der Krise staatspolitische Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Also kein oppositionelles Klein-Klein mehr, sondern – nur beim Euroretten – eine parteiübergreifende Koalition der Vernunft. Darum das leicht vergiftete Angebot an Kanzlerin Angela Merkel, bei der Bewältigung der Euro­Krise gemeinsame Sache zu machen und ihr notfalls im Herbst im Bundestag jene Mehrheiten für milliardenschwere Notfallpläne zu sichern, die ihr aus dem eigenen Lager verwehrt bleiben könnten. Voraussetzung: Merkel unterschreibt den sozialdemokratischen Therapieplan für das europäische Sorgenkind Griechenland. Erste Anwendung: Teil-Schuldenerlass.

Steuerzahler erhält die Quittung

Zum anderen war den in ­gedämpfter Rivalität verbundenen Spitzengenossen daran gelegen, sich etwaigen Wer-wird-denn-nun-2013-Kanzlerkandidat-Fragen als Troika-Verbund zu entziehen. Als Mannschaft, die zuvorderst gemeinsam ans Land denkt. Und nicht an die eigene Person. Denn, so Gabriel, Steinmeier und Steinbrück unisono: Die Quittung für die griechische Tragödie werde irgendwann auch dem deutschen Steuerzahler präsentiert.

Das Drehbuch für diese ­Inszenierung sah eine erwartbare Rollenaufteilung vor: Gabriel fürs große Partei-Ganze, Steinmeier mit der Aura des abgeklärten Alt-Außen­ministers. Und Steinbrück fürs Fachliche auf dem finanz­politischen Hochseil. Sprich: Was ist denn nun wirklich zu tun gegen die sich immer ­doller drehende Abwärtsspirale, in der sich Europa und Euro gleichermaßen befinden?

Steinbrück weit vorne

Wer die Redeanteile addierte, war nicht verwundert, dass Steinbrück weit vorne lag. Der seit Wochen als gefragter Mann durch Medien und Hauptstadt-Termine tingelnde Schnelldenker und Buchautor unterfütterte mit seinen ­Beiträgen die Botschaft, die der SPD so am Herzen liegt: Wir können Krise besser als Merkel. Und mit uns tut’s nicht so weh.

Ohne einen Anflug von Selbstzweifel umriss Steinbrück die Eckpunkte: Einen milliardenschweren Rettungsschirm nach dem anderen für Griechenland aufzuspannen, diese Strategie sei vor die Wand gefahren. Mehr noch: Die Gefahr, dass andere ­Länder sich anstecken, sei jetzt „größer denn je“. Unausweichlich darum ein Schuldenschnitt. Er prophezeit ihn sogar. Größenordnung: 40 bis 50 Prozent.

Mehr Ellbogeneinsatz

Flankierend dazu: ein ­Marshallplan für Athen und weitere instabile Euro-Länder, auf dass sie selbst wieder Wertschöpfung erzielen können. Und, natürlich, mehr Ellbogen gegen die Rating-Agenturen einsetzen. Steinbrücks Rat: Warum die allmächtigen Schiedsrichter im globalen Währungspoker nicht einfach ignorieren?

Während Steinbrück dozierte, klar und scharf, lauschten Gabriel und Steinmeier mitunter wie gebannt. Am ­Ende bescheinigte der Parteichef seinen Mit-Frontmännern exzellente Fähigkeiten im Krisenmeistern. Sollte Gabriel 2013 nicht für die SPD gegen Merkel antreten, dann hat er es gestern in Berlin durchblicken lassen.