Die Kraft des Wortes

Petra Kappe

Mühsam erstrittene Errungenschaften verlieren, wenn sie selbstverständlich werden, ihre Faszination. Die fundamentale Bedeutung, die die Freiheit des Wortes für ein demokratisches Gemeinwesen hat, zeigt sich in aller Deutlichkeit dort, wo sie fehlt. Die Liste der Regimes, die eine freie Presse scheuen und mit rigiden Mitteln behindern, ist erschütternd lang. Sie enthält auch Länder, mit denen Deutschland freundschaftliche Beziehungen und florierende Geschäfte unterhält.

In Kriegs- und Krisengebieten lassen Journalisten ihr Leben um der Wahrhaftigkeit willen. In autoritären Ländern werden sie verfolgt, inhaftiert, ermordet. Selbst in westlichen Demokratien wie Italien geraten Meinungsvielfalt und Unabhängigkeit der Medien unter Druck.

Die Versuchung, Einfluss auf die freie Presse zu nehmen, ist seit jeher groß. Die Feder ist mächtiger als das Schwert, und wer um seine Macht bangt, fürchtet die Meinungsfreiheit, die Missstände offenlegt, Unrecht beim Namen nennt und Widerstand mobilisiert.

Die Freiheit sucht sich neue Wege, doch wo Fernsehsender und Zeitungen auf Staatslinie getrimmt werden, ist auch das Internet staatlicher Kontrolle unterworfen. Selbst das Medium, das wie kein anderes Grenzen überwinden kann, unterliegt vielerorts einer strengen Zensur. Die Verheißung eines weltumspannenden Netzes, das Unterdrückung überwindet und demokratische Emanzipation beflügelt, bleibt in vielen Weltregionen unerfüllt.

Das offensive Eintreten für die Pressefreiheit, ihr beharrliches Einfordern überall dort, wo sie in Gefahr ist, ist selbstverständliche demokratische Pflicht. Die Stimmung, die sich während der Affären um den früheren Bundespräsidenten Christian Wulff breitmachte und ein Ende der Enthüllungen forderte, zeigt: Selbst hierzulande ist die Pressefreiheit vor Anfeindungen nicht sicher.

Darum aber geht es: die Freiheit des Wortes desto entschiedener zu verteidigen, je unbequemer sie den Mächtigen wird.