Die Hälfte des Recycling-Mülls wird verbrannt

Getrennt gesammelt, landet der Plastikmüll oft später dennoch zusammen mit dem Restmüll in der Müllverbrennungsanlage.
Getrennt gesammelt, landet der Plastikmüll oft später dennoch zusammen mit dem Restmüll in der Müllverbrennungsanlage.
Foto: Claudia Schütte/ WAZ FotoPool
Ernüchternde Bilanz der Mülltrennung: Die Hälfte der Verpackungsabfälle, die über die Gelbe Tonne oder den Gelben Sack eingesammelt werden, werden gar nicht recycelt, sondern verbrannt. Das gibt die Bundesregierung zu. Das Problem: Überkapazitäten bei den Müllverbrennungsanlagen.

Berlin. Die ernüchternde Bilanz der Mülltrennung: Die Recyclingquote der Gelben Tonne liegt unter 50 Prozent. Der Müll wird verbrannt statt verwertet. Das geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen-Umweltexpertin Bärbel Höhn hervor, die unserer Mediengruppe vorliegt. Es ergebe sich ein Anteil von 50,1 Prozent der Sammelmenge, der in Müllverbrennungsanlagen gehe, schreibt das Umweltministerium unter Berufung auf eine Studie für das Umweltbundesamt.

"Das System funktioniert hinten und vorne nicht"

Höhn, die Vorsitzende des Bundestags-Umweltausschusses ist, erklärte: „Das System funktioniert hinten und vorne nicht.“ Vor allem Plastik werde viel zu wenig aufbereitet und wiederverwertet.

Mülltrennung Wenn die entsprechenden Recyclingquoten nicht schnell gesetzlich erhöht würden, müssten sich Mülltrenner „veräppelt“ fühlen. Höhn sagte, es werde so viel Müll aus der Gelben Tonne verbrannt, weil es große Überkapazitäten bei den Müllverbrennungsanlagen gebe. „Gegen die Kampfpreise kann man nicht anrecyceln“, beklagte die Politikerin.

Tatsächlich ist die Branche unter Druck: In NRW könnten die 16 Anlagen für die Verbrennung von Hausmüll 6,3 Millionen Tonnen Müll im Jahr verbrennen – dem stehen nur rund 4 Millionen Tonnen Abfall aus NRW gegenüber. NRW-Umweltminister Remmel (Grüne) beklagt einen „ungesunden Preiswettbewerb“ unter den Müllverbrennungsanlagen.

Laut Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft (BDE) könnte bundesweit fast jede vierte der 71 Müllverbrennungsanlagen geschlossen werden. Die Überkapazitäten würden zum Problem für das Recycling, so der BDE: Sammeln und Sortieren einer Tonne Abfall seien inzwischen doppelt so teuer wie das Verbrennen.

Menschen sind unzufrieden

Eine Umfrage des Verbands Kommunaler Unternehmen ergab, dass die Mehrheit der Bundesbürger mit der Mülltrennung unzufrieden ist: Zwei Drittel wünschen sich, dass eine einzige Tonne den gesamten Plastikabfall aufnimmt – die Gelbe Tonne ist dagegen nur für Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterialien gedacht.

Nach Angaben des Verbandes ist die Recyclingbilanz vor allem bei Kunststoff sehr schlecht – die tatsächliche Wiedereinsatzquote hochwertiger Kunststoffmaterialien liege bei 20 Prozent. Die Verpackungsverordnung müsse grundlegend reformiert werden.

 
 

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