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Die Geheimtreffen der Bilderberger

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Elite aus Wirtschaft und Politik trifft sich jährlich – Öffentlichkeit unerwünscht

Dortmund. 

Grünen-Fraktionschef Trittin ist wegen seiner Teilnahme an einer der geheimnisvollsten Tagungen der Welt in die Kritik geraten. Jetzt muss er sich dafür rechtfertigen. Während einer USA-Reise hat Trittin am 31. Mai und 1. Juni an der 60. Bilderberg-Konferenz in Chantilly im US-Bundesstaat Virginia teilgenommen, einem so exklusiven wie verschwiegenen Treffen von rund 145 Spitzenvertretern aus Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft, Medien und Zivilgesellschaft.

Was ist das Bilderberg-Treffen?

Die Bilderberg-Konferenzen sind geheimnisumwittert. Benannt sind sie nach einem niederländischen Hotel in Oosterbeek („de Bilderberg“), wo sie 1954 zum ersten Mal abgehalten wurde. In die Öffentlichkeit dringt selten etwas über diese Treffen, daran sind die Teilnehmer auch nicht interessiert. Der Ruf eines geheimnisvollen wie streng vertraulichen Elitetreffens ist offenbar Bedingung dafür, Leute mit großem Einfluss zusammenzuführen.

Wie setzt sich der Zirkel zusammen?

Teilnehmen kann man nur auf Einladung durch ein Führungsgremium. Die Teilnehmer, soviel geben die Organisatoren dann doch bekannt, werden so ausgewählt, dass eine wohlinformierte, ausgeglichene Diskussion über die vorgegebenen Tagesordnungspunkte sichergestellt werde. Die Geschäftssprache ist Englisch. Es gelten feste Regeln, zum Beispiel , dass in allgemeinen Begriffen zwar berichtet werden darf, aber keine Namen genannte werden dürfen.

Wer hat an den sagenumwobenen Treffen teilgenommen?

Die Teilnehmerliste liest sich wie ein Who-is-who der europäischen und amerikanischen Gesellschaft. US-amerikanische Präsidenten und Wirtschaftsbosse stehen ebenso regelmäßig auf der Teilnehmerliste, wie Spitzen der internationalen und deutschen Politik. In den vergangenen Jahren waren aus Deutschland auch Peer Steinbrück (SPD), Guido Westerwelle (FDP), Otto Schily (SPD), Joschka Fischer (Grüne) und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dabei. Letztere lässt ihre Teilnahme, auch wenn sie durch mehre Quellen belegt ist, vom Regierungssprecher nicht bestätigen. Doch auch Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann, Pascal Lamy, Chef der Welthandelsorganisation und Siemens-Chef Peter Löscher waren dabei. Auch hochrangige deutsche Journalisten und Chefs von Medienkonzernen sind regelmäßig bei den Geheimtreffen, verlieren danach aber kein Wort darüber.

Worüber spricht der elitäre Kreis?

Die gut abgeschirmten Treffen befassen sich jeweils mit aktuellen Themen von globaler Bedeutung. 2011 soll es unter anderem um die Euro-Krise gegangen sein. Nach Angaben der Veranstalter ging es in diesem Jahr um „die transatlantischen Beziehungen, Entwicklung der politischen Landschaft in Europa und den USA, Strenge und Wachstum in den entwickelten Volkswirtschaften, Cyber Security, Herausforderungen im Energiebereich, die Zukunft der Demokratie, Russland, China und der Nahe Osten“

Werden auf den Treffen Entscheidungen getroffen?

Das ist eher unwahrscheinlich. Mit Sicherheit färben die Diskussionsergebnisse aber auf spätere Entscheidungen ab, werden Richtungen bestimmt. Davon dringt allerdings – selbstverständlich – nichts an die Öffentlichkeit. Die symbolische Wirkung scheint wesentlich höher zu sein. Darum ranken sich auch unzählige Verschwörungstheorien um das Bilderberger-Treffen – das Internet ist voll davon. Von einer geheimen Weltregierung ist beispielsweise die Rede.

Wo finden die Treffen statt?

Die Zusammenkünfte finden polizeilich abgeschottet in wechselnden Luxushotel der westlichen Welt statt. Die letzten Konferenzen fanden in Deutschland (2005, Rottach-Egern), Kanada (2006, Ottawa), Türkei (2007, Istanbul), USA (2008, Chantilly /Virginia), Griechenland (2009, Athen), Spanien (2010, Sitges), Schweiz (St. Moritz) statt. 2012 trafen sich die Bilderberger vom 31. Mai bis 3. Juni erneut in Chantilly (Virginia).

Was sagen die Kritiker?

Vor allem wird die große Heimlichtuerei der jährlichen Elite-Zusammenkunft scharf kritisiert. Wenn sich die Politik- und Wirtschafts-Lenker treffen, habe die Öffentlichkeit einen Anspruch darauf, zu erfahren, was besprochen wird, so der Tenor.